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Fellow Spotlight: Elizabeth Gadd

Elizabeth Gadd

Elizabeth Gadd
Bildquelle: Personal Photo

Als Fellow der Berlin University Alliance (BUA) weiß Elizabeth Gadd, dass die Art und Weise, wie Forschung, Forschende und Forschungseinrichtungen evaluiert und gelistet werden, alles andere als perfekt sind. Einseitige, stark auf Publikationen ausgerichtete Evaluationsverfahren tragen zur „Publish or Perish-“Kultur bei und fördern Verhaltensweisen, die der Forschung eher schaden als nutzen. Im Rahmen des BUA-Fellowship-Programms „Research Quality and Open Science” setzt sich Gadd kritisch mit diesen Verfahren auseinander und reflektiert ihre Auswirkungen. Ihr Ziel: zu einer Forschungskultur beizutragen, in der die echten Leistungen und Werte in der Wissenschaft anerkannt und honoriert werden.

Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf den vorgelagerten Auswirkungen kommerzieller Hochschulrankings, die weder von wissenschaftlichen Einrichtungen selbst beauftragt noch ihnen gegenüber rechenschaftspflichtig sind, auf die strategische Ausrichtung von Hochschulen. Anfang September stellte Gadd erste Ergebnisse ihrer Forschung auf der Science & Technology Indicators Conference in Antwerpen vor. Am 12. Und 13. Oktober wird sie bei der ReBound—Research Culture Beyond Boundaries Conference in Berlin den Austausch über die Bewertung von Forschungseinrichtungen fortsetzten.

Parallel zu ihrem BUA-Fellowship ist Gadd als Head of Research Culture & Assessment an der Loughborough University in Großbritannien tätig. Zuvor war sie unter anderem stellvertretende Vorsitzende der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA), der auch die Berlin University Alliance angehört, sowie Vorsitzende der Research Evaluation Global Alliance. Durch ihr Engagement in diesem Umfeld kam sie erstmals mit Kolleginnen und Kollegen in Berlin in Kontakt, und schließlich auch zum BUA-Fellowship-Programm. Da Gadd normalerweise im Bereich der wissenschaftsunterstützenden Services an einer Forschungsuniversität arbeitet, bot ihr das Fellowship die Gelegenheit, ihre tägliche Praxis aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu betrachten.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Untersuchung, inwieweit Hochschulrankings die strategische Entwicklung von Universitäten in Deutschland und Großbritannien beeinflussen. Um das Verhältnis zwischen Rankings und Hochschulstrategien zu untersuchen, stellte Gadd in Großbritannien Anfragen nach dem Freedom of Information Act. In Deutschland führte sie eine Befragung und einen Workshop mit Hochschulen durch. Dabei untersuchte sie, inwieweit Rankings in Strategien oder zentralen Leistungsindikatoren berücksichtigt werden. Darüber hinaus ging sie der Frage nach, wie viel Hochschulen für Daten und Beratungsleistungen ausgeben, um ihre Platzierungen zu verstehen und zu verbessern. Ein weiterer zentraler Aspekt war die Frage, in welchem Maße Hochschulen ihre Platzierung in Rankings als von wirtschaftlichem Interesse betrachten.

Eine Herausforderung im Vorgehen bestand darin, dass die unterschiedlichen nationalen Rahmenbedingungen jeweils eigene Wege der Datenerhebung erforderten. „Eine wichtige Erkenntnis für mich war, wie unterschiedlich die beiden Länder mit dem Zugang zu öffentlichen Informationen umgehen“, erklärt Gadd. „In Großbritannien ist das Verfahren sehr bekannt und stark standardisiert. In Deutschland ist es deutlich komplexer und dezentraler.“ Aus Zeitgründen habe dies dazu geführt, in beiden Ländern unterschiedliche Ansätze für dieselben Forschungsfragen zu wählen. Entsprechend unterschieden sich teilweise auch die Erkenntnisse über die beiden Länder.

Diese Forschung bildete die Grundlage für ihren Vortrag bei der Konferenz in Antwerpen im September. Erste Ergebnisse zeigen, dass mehr als die Hälfte der britischen Hochschulen über zentrale Leistungsindikatoren verfügt oder wahrscheinlich verfügen wird, die sich auf Hochschulrankings beziehen. In Deutschland verweisen deutlich weniger Hochschulen in ihren Strategien ausdrücklich auf Rankings. Doch auch wenn der formale Einfluss von Rankings auf deutsche Hochschulen offenbar begrenzt ist, zeigt sich dennoch eine informelle Wirkung. In Großbritannien wie in Deutschland gibt ein etwa ähnlich großer Anteil der Hochschulen an, Informationen über ihren Umgang mit Rankings nicht offenlegen zu können, aus Sorge, dadurch eigene wirtschaftliche Interessen zu beeinträchtigen.

Für ihre Fellowship-Forschung arbeitete Gadd mit Jelena Brankovic vom Robert K. Merton Zentrum für Wissenschaftsforschung der Humboldt-Universität zu Berlin zusammen. Darüber hinaus ist sie zu einem aktiven Mitglied der Berliner Forschungslandschaft geworden. „Ich habe es sehr genossen, Mentorin im ProFiL-Mentoringprogramm zu sein und dabei Freundschaften fürs Leben zu schließen“, erzählt sie. Das ProFiL-Programm unterstützt besonders qualifizierte Wissenschaftlerinnen auf dem Weg zur Professur. Sie fügt hinzu: „Außerdem war es großartig, das BUA-Team Advancing Research Quality and Value dabei zu unterstützen, über die eigenen Ziele zur Verbesserung der Forschungspraxis und zu einer verantwortungsvollen Forschungsbewertung nachzudenken.“

Berlin bietet aus Sicht von Gadd besonders gute Voraussetzungen für Innovationen in den Bereichen Open Science und Forschungskultur. „Das Engagement des Teams Advancing Research Quality der Berlin University Alliance, die Forschungsbedingungen an den vier beteiligten Universitäten und darüber hinaus besser zu verstehen und weiterzuentwickeln, ist beeindruckend, und es ist eine große Freude, daran mitzuwirken.“

Während sich ihr Fellowship an der Berlin University Alliance dem Ende nähert, werden die Kontakte und Kooperationen, die Gadd während ihrer Zeit in Berlin aufgebaut hat, fortbestehen. Eine besonders spannende neue Initiative ist die Gründung der Research Evaluation Global Alliance (REGA). Sie ist aus ihrer Arbeit in der INORMS Research Evaluation Group hervorgegangen und eröffnet der internationalen Forschungsgemeinschaft neue Möglichkeiten, sich an der praktischen Weiterentwicklung einer verantwortungsvollen Forschungsbewertung zu beteiligen.

„Ich hoffe, dass viele meiner BUA-Kolleginnen und -Kollegen REGA beitreten, damit wir diesen Weg gemeinsam weitergehen können“, sagt Gadd. Damit möchte sie auch über das Ende ihres Fellowships hinaus ihre Berliner Partnerschaften und den gemeinsamen Einsatz für eine Reform der Forschungsbewertung fortführen.