Springe direkt zu Inhalt

Vom Kleinbilddia zur Recherche – Zur Erschließung einer DDR-Lehrbildsammlung

Oleg Balobanov, Marie Elisa Hartwig, Martin Krüger, Annabel Lange, Oskar Lietz, Dr. Carolin Pommert

Der Vortrag gibt Einblicke in die Forschungsarbeiten von Studierenden, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Lehrbildsammlung des Anthropologen Hans Grimm (1955–1975) auseinandersetzen. Die einzelnen Teilprojekte verbinden digitale Erschließungsmethoden mit wissenschafts- und universitätshistorischen sowie ethischen Fragestellungen und zeigen, wie vielfältig ein historischer Lehrbildbestand als Forschungsgegenstand erschlossen werden kann. Gemeinsam tragen sie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Anthropologie sowie ihren Kontinuitäten und Brüchen zwischen Nationalsozialismus, DDR und Gegenwart bei. Die studentischen Projekte beleuchten dabei unterschiedliche Aspekte der Sammlung: Ein Projekt entwickelt Ansätze zur Kategorisierung, Erschließung und Verschlagwortung der Dias und hinterfragt kritisch den Umgang mit historischen Begrifflichkeiten und Klassifikationen im Spannungsfeld zwischen historischer Überlieferung und heutiger wissenschaftlicher Praxis. Weitere Projekte untersuchen Grimms wissenschaftliche Biografie, seine Tätigkeit und akademischen Netzwerke während des Nationalsozialismus sowie mögliche Kontinuitäten seines Wirkens in der DDR. Anhand von Vorlesungsverzeichnissen der Humboldt-Universität zu Berlin wird zudem rekonstruiert, welche Lehrveranstaltungen Grimm anbot und inwiefern sich Bezüge zwischen seiner Lehre und der Diasammlung herstellen lassen. Weitere Beiträge widmen sich Grimms wissenschaftlichen Netzwerken in die Sowjetunion und der Bundesrepublik hinein sowie dem Fortwirken anthropologischer Konzepte, Bildpraktiken und Terminologien in heutigen wissenschaftlichen Diskursen. Anhand dieser unterschiedlichen Forschungszugänge zeigen die Studierenden, welches Erkenntnispotenzial in der interdisziplinären Untersuchung historischer Universitätssammlungen liegt. Der Vortrag verdeutlicht, wie studentische Forschung neue Perspektiven auf die Geschichte der Anthropologie eröffnet und zugleich bestehende Forschungslücken zu personellen, institutionellen und begrifflichen Kontinuitäten sichtbar macht.