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Mehr als Sprachdokumentation: Oral History, lokales Wissen und kulturelles Gedächtnis im Schwemlinger Dialektarchiv 

Elena Koch

Der Vortrag gibt Einblicke in das Projekt fɪɐʀɪks ʊn hɪnɐʀɪks – Eine Dialektdokumentation, das die moselfränkische Mundart des saarländischen Dorfes Schwemlingen dokumentiert. Ausgehend von der sprachwissenschaftlichen Dokumentation richtet der Vortrag den Blick insbesondere auf jene Wissensbestände, die in und durch Sprache überliefert werden. Anhand ausgewählter Beispiele aus den Erhebungen wird gezeigt, wie einzelne Wörter und Erzählungen Zugänge zur Vergangenheit eröffnen. Die Erzählungen der Sprecher können dabei etablierte Geschichtsschreibung ergänzen und persönliche Erfahrungen sichtbar machen. Dabei zeigen sich neben abweichenden Traditionen, religiösen Praktiken und veränderten Alltagssituationen immer wieder Aushandlungsprozesse zwischen ausbleibendem und voneinander abweichendem Wissen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass eine Person noch ein Wort kennt, aber seine ursprüngliche Bedeutung oder die dazugehörige Praxis nicht mehr erklären kann, dass verschiedene Generationen dieselbe Tradition unterschiedlich erinnern oder eine lokale Bezeichnung mit dem Verschwinden des bezeichneten Objekts verloren gegangen ist. Was heute nicht mehr benannt, erklärt oder erzählt werden kann, wird so ebenfalls zum Bestandteil der Dokumentation. Methodisch verbindet das Projekt sprachwissenschaftliche Dokumentation mit lokalem Wissen, Geschichte und Erzählungen, die in einem eigens erstellten Archiv festgehalten werden. Abschließend nimmt der Vortrag die Rahmenbedingungen solcher Dokumentationsarbeit in den Blick. Dazu zählt neben der Umsetzung und der damit einhergehenden Herausforderungen auch eine gesicherte Finanzierung.