Kunst als Wissensraum: STEAM-Praxis zwischen Selbstverständlichkeit und Vermittlungsherausforderung
Skarlett Röhner und Nathalie Tafelmacher
Unser X-Tutorial-Forschungsprojekt „Zukunft? STEAM als mögliche Antwort auf die Herausforderungen der Bildung“ untersucht, wie künstlerisch‑forschende Methoden in interdisziplinären Lernsettings (STEAM – Science, Technology, Engineering, Arts and Mathematics) zur Vermittlung von Wissenszusammenhängen beitragen und welche Kompetenzen dabei sichtbar werden. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass im Fach Kunst die Einbettung von Weltwissen in Prozesse und Objekte selbstverständlich ist, während Kunst in schulischen STEAM-Kontexten von anderen Fächern häufig auf eine dekorative oder illustrierende Funktion reduziert wird. Ziel des Projekts ist es, Kunst als gleichberechtigten, eigenständigen Wissensraum in interdisziplinären Bildungsformaten theoretisch zu schärfen und praktisch erlebbar zu machen. Im ersten Semester forschten wir mit Lehramtsstudierenden aller Fachrichtungen. Hier bildete die Literaturrecherche (STEAM, Arts-Based Educational Research, Future Skills) die theoretische Grundlage. Im Mittelpunkt standen dialogische Argumentation, kollaboratives Prototyping und künstlerisch-wissenschaftliche Synthesen, um interdisziplinäre Unterrichtsprototypen zu entwickeln und zu reflektieren. Im zweiten Semester erprobten wir einen Prototyp im Kunstunterricht mit Schüler*innen. Dabei nutzten wir künstlerisch-forschende Formate wie Quadratmeterforschung, Mindmaps und Zines, um eingebettetes Wissen in Alltagsobjekten und Umgebungen sichtbar zu machen. Die Evaluation erfolgte qualitativ-explorativ: bei den Studierenden über protokollierte mündliche Reflexionsphasen, Prozessdokumentationen und schriftliche Rückmeldungen, bei den Schüler*innen über einen Vorher‑/Nachher‑Fragebogen im Verlauf der Unterrichtsreihe. Analytisch orientieren wir uns an Kompetenzdimensionen aus der STEAM‑Forschung, insbesondere divergentes Denken, Reflexion, interdisziplinäre Verknüpfung und Perspektivwechsel. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass künstlerisch‑forschende Zugänge besonders dann produktiv werden, wenn Kunst nicht als Illustration, sondern als eigene Form der Erkenntnis ernst genommen wird.
