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Organisations-IDs, bitte!

Paul Vierkant spricht über das Research Organization Registry (ROR) und die Entwicklung der ROR-ID als offener persistenter Identifikator für wissenschaftliche Organisationen

10.02.2022

Für eine eindeutige Wissenschaftskommunikation braucht es persistente Identifikatoren – auch für wissenschaftliche Organisationen

Für eine eindeutige Wissenschaftskommunikation braucht es persistente Identifikatoren – auch für wissenschaftliche Organisationen
Bildquelle: colourbox

Paul Vierkant hat in VIVO Talks! das Research Organization Registry (ROR) und die ROR-ID vorgestellt. Im Interview spricht er unter anderem über die Rolle persistenter IDs in der Wissenschaftskommunikation und den Community-Fokus von ROR. Paul ist Outreach Manager bei DataCite und engagiert sich dafür, die Idee der Offenheit in der wissenschaftlichen Kommunikation zu verbreiten.


Paul, welche Rolle spielen PIDs in der Wissenschaftskommunikation?

Bei der Kommunikation wissenschaftlicher Arbeit und Ergebnisse sind zahlreiche Akteur*innen involviert. Offene persistente Identifikatoren – kurz PIDs – und ihre Metadaten ermöglichen überhaupt erst eine eindeutige Wissenschaftskommunikation. Während ORCID-IDs Forschende eindeutig identifizieren, stellen PIDs wie Digital Object Identifier (DOI) die eindeutige Zuordnung von wissenschaftlichem Output sicher. Identifikatoren für Organisationen, auch Organisations-IDs genannt, vervollständigen das „Publikations-Prozess-Puzzle“, indem Forschende und Forschungsoutput eindeutig einer Institution zugeordnet werden.

PIDs für wissenschaftliche Organisationen komplettieren das „Publikations-Prozess-Puzzle“

PIDs für wissenschaftliche Organisationen komplettieren das „Publikations-Prozess-Puzzle“
Bildquelle: Paul Vierkant

Was unterscheidet die ROR-ID von anderen Organisations-IDs?

ROR, das Research Organization Registry, ist eine Community-getriebene Initiative, welche die ROR-ID hervorgebracht hat. Es handelt sich um eine offene und nicht-kommerzielle ID für Organisationen, vergleichbar mit der Offenheit von ORCID und DOI. Daneben existierte bis Ende 2021 die GRID ID, der Global Research Identifier Database. Sie war die Datengrundlage für ROR. Die Webseite existiert noch, es ist allerdings nicht mehr möglich eigene Einträge zu aktualisieren. Andere Organisations-IDs haben mitunter kostenpflichtige Datenzugänge und dadurch nicht (nach-)nutzbare Daten. Oft haben diese auch eine andere Ausrichtung, weil die gesamte Organisations-Hierarchie über alle Ebenen hinweg abgebildet wird. Bei ROR wird in der Regel nur die oberste Ebene einer Organisation abgebildet. Darüber hinaus werden im Gegensatz zur ROR-ID manche Organisations-IDs nicht in den Metadatenschemata von DataCite, Crossref, ORCID und Co. unterstützt und richten sich nicht nach den Bedürfnissen der Community.


Wie greift ROR die Bedürfnisse der Community auf?

ROR ist keine Organisation, sondern eine Multi-Organisations-Kollaboration. Diverse Vertreter*innen mit jahrelanger Erfahrung im Aufbau von PID-Systemen haben sich zusammengeschlossen und eine Initiative zum Aufbau eines solchen Verzeichnisses vorangetrieben. In der Folge ist ROR im Jahr 2019 wortwörtlich aus der Community heraus geboren worden. Die Community-Arbeit hat sich aus der frühen Entwicklungsphase bis in die Gegenwart etabliert. Heute gibt es verschiedene „Advisory Groups“, die ROR zu den Bedürfnissen und Herausforderungen der Community beraten, zum Beispiel bei der Implementierung oder zu Kurationsfragen. Außerdem gibt es eine Vielzahl von „Community-Channels“, unter anderem via Slack und GitHub.


Wie können Forschende die ROR-ID nutzen?

Wissenschaftler*innen reichen ihren Forschungsoutput, zum Beispiel einen Artikel oder Datensatz, in einem System ein, das die ROR-ID implementiert hat. Dort wählen sie die Institutionszugehörigkeit, auch Affiliation genannt, aus einer kontrollierten Liste aus. Auf diese Weise kann eine eindeutige Zuordnung garantiert werden und es werden Tippfehler vermieden. Die ROR-ID wird dann in die Metadaten des Forschungsoutputs geschrieben und aus dem System heraus mit anderen Datenbanken, etwa von CrossRef, DataCite und ORCID, geteilt. Auch in die Ontologien von VIVO kann ROR integriert werden (weitere Informationen). So wird der Forschungsoutput nicht nur eindeutig einer Institution zugeordnet, auch seine Sichtbarkeit wird deutlich erhöht.

 

Du hast beschrieben, dass ROR nur die oberste Ebene einer Organisation darstellt. Können auch weitere Ebenen oder Organisationsformen, wie z. B. Exzellenzcluster, abgebildet werden?

ROR selbst bildet aktuell nur die oberste Hierarchie-Ebene ab. Aus GRID in ROR übernommene Daten können aber mitunter auch die zweite Hierarchie-Ebene darstellen, wenn es sich um eine „Eltern-Kind“-Beziehung handelt und die Untereinrichtung eine eigenständige Institution ist. Deshalb ist es durchaus möglich, dass auch Exzellenzcluster eine eigene ROR-ID haben. Eine von ROR durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass sich ein Großteil der daran teilnehmenden deutschen Wissenschaftslandschaft eine Abbildung bis zur dritten Hierarchie-Ebene wünscht, also bis auf Instituts-Ebene. Aktuell kümmert sich ein Nebenprojekt von ROR darum, diese Granularität abzubilden. Ich empfehle Forschenden, die Angaben zur zweiten und dritten Hierarchie-Ebene jetzt schon im Formular gesondert mit anzugeben, sodass diese Informationen genutzt werden können, wenn zukünftig weitere Ebenen integriert worden sind. ROR stellt wissenschaftlichen Einrichtungen Tipps für die Angabe und Implementierung bereit.


Welche anderen Entwicklungen können wir erwarten?

Neu ist die seit Ende 2021 verfügbare ROR-Support-Webseite, zum Beispiel mit Informationen zu Services und Implementierungs-Anleitungen, die fortlaufend um weitere Seiten ergänzt wird. Im Jahr 2022 wird eine Premium-Service-Ebene starten. Die Verzeichnismetadaten in ROR werden ähnlich wie bei ORCID immer offen und frei verfügbar bleiben. Es geht bei der Premium-Ebene darum, den langfristigen Mittelbedarf zu decken. Außerdem befindet sich das so genannte „Typeahead Widget“ in Entwicklung. Mit dieser Erweiterung erscheint im Formular automatisch eine Drop-Down-Liste mit Vorschlägen, wenn eine Person eine Institution eingibt. Für die Ausgestaltung wird es Guidelines geben, die mit der Community zusammen entwickelt wurden. Der finalen Entwurf dieser Guidelines ist online einsehbar (zum Entwurf). Mit dem „Typeahead Widget“ wird auch die Mehrfachzugehörigkeit, beispielsweise zu mehreren Universitäten oder zu einer Universität und einem Cluster, abgebildet werden können. Darüber hinaus arbeitet ROR an der Barrierefreiheit der Formulare.

Weitere Informationen

Paul Vierkant (Kontakt) hat in VIVO Talks! zum Research Organization Registry (ROR) und der ROR-ID berichtet (zur Präsentation).

Die Talk-Reihe wird organisiert vom Projekt Forschungsinformationsplattform mit VIVO. Das Projekt zielt darauf ab, mit Hilfe der Open-Source-Software VIVO eine übergreifende Forschungsinformationsplattform für die Verbundpartnerinnen der Berlin University Alliance zu entwickeln.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Land Berlin im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert. Die aktuelle Phase des Projekts läuft bis Ende 2023.