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Ein Forschungsaufenthalt an der Universität Oxford

Audrey Yuki Brinker (Charité–Universitätsmedizin Berlin) berichtet von ihren Erfahrungen im Rahmen des Early Career Researcher Mobility Programme

18.06.2026

Audrey Yuki Brinker vor der Radcliffe Camera in Oxford

Audrey Yuki Brinker vor der Radcliffe Camera in Oxford
Bildquelle: privat

Zwischen historischen Colleges, eindrucksvollen Bibliotheken, lebhaften Debatten in der Oxford Union, traditionellen Formal Dinners und typisch britischem Wetter erlebte ich während meines Aufenthalts an der Universität Oxford eine unvergesslich prägende Zeit. Mein erster wissenschaftlicher Auslandsaufenthalt war nicht nur für meine persönliche Entwicklung unglaublich bereichernd, sondern eröffnete mir zugleich die besondere Möglichkeit, an international renommierter Spitzenforschung mitzuwirken.

Forschen in Oxford

Während meiner Promotion entwickelte sich meine Begeisterung für die Wissenschaft zu einer klaren beruflichen Perspektive. Das Early Career Mobility Programm der Oxford Berlin Research Partnership bot mir einen idealen Rahmen für meine akademische Weiterentwicklung in einem internationalen Umfeld.

Forschung erfordert sicherlich ein hohes Maß an Disziplin und Selbstständigkeit; gerade bei herausfordernden Fragestellungen, die häufig von Ausprobieren und Rückschlägen leben.

Umso bereichernder war die offene und unterstützende Atmosphäre, die meinen Aufenthalt in besonderer Weise geprägt hat.

Als mir in der ersten Arbeitswoche im Lab Meeting die Gelegenheit gegeben wurde, mich und mein Forschungsvorhaben ausführlich vorzustellen, war ich beeindruckt von der qualitativ hochwertigen Diskussion mit Kolleg:innen aus teils sehr unterschiedlichen Disziplinen, die meinem Projekt mit großem Interesse begegneten. Spannend fand ich dabei die ausgeprägte Vernetzung in Oxford: Für nahezu jede Frage ließen sich Personen, Projekte oder Datenbanken finden, die vergleichbare Ansätze schon mal probiert hatten.

Besonders wertvoll während meines Forschungsaufenthalts war die intensive Unterstützung durch unseren Projektpartner in Oxford, der meine erste Ansprechperson vor Ort war. Trotz seines anspruchsvollen Arbeitsalltags als Wissenschaftler und zugleich als Chirurg mit mehreren wöchentlichen Operationen nahm er sich regelmäßig Zeit, nicht nur den Fortgang des Projekts zu besprechen und sicherzustellen, dass die Arbeit meinen Erwartungen entsprach, sondern sich auch nach meinem allgemeinen Wohlbefinden während meines Aufenthalts zu erkundigen.

So bin ich während meines Aufenthalts jeden Tag sehr gerne in das moderne, offen gestaltete Büro der großen Oxforder Arbeitsgruppe gegangen und konnte mich an meinem festen Arbeitsplatz intensiv auf mein Projekt konzentrieren - begleitet von reichlich Kaffee aus der inzwischen legendären neuen Kaffeemaschine, die im Büro eine kleine Attraktion war.

Das Kooperationsprojekt: An der Schnittstelle von Statistik und klinischer Praxis

Zusammen mit unserem Partner aus Oxford entwickelten wir für mein Aufenthalt ein Forschungsvorhaben, welches besonders rund wurde durch die inhaltliche Kontinuität:

Einige Jahre zuvor hatte unser Oxforder Partner in unserer Forschungsgruppe an der Charité moderne statistische Methoden im Bereich patientenzentrierter Outcomes (Patient-Reported Outcomes; PROs) erlernt und diese in ein innovatives, klinisch ausgerichtetes Pilotprojekt in Oxford überführt. Das Ergebnis war eine digitale Plattform, die postoperative Symptomschwere aus Patientensicht hochfrequent und zugleich niederschwellig erfasst. Dadurch wird sowohl ein kontinuierliches Monitoring von der Genesung ermöglicht als auch eine frühzeitige Intervention bei möglichen Komplikationen unterstützt.

Auf dieser Grundlage konnte ich anknüpfen und die digitale Innovation mit meinem statistischen Wissen aus der Promotion methodisch weiterentwickeln. Durch die standardisierte Verknüpfung subjektiver Patientenberichte mit objektiveren Parametern gelang uns nicht nur erstmals eine direkte Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Messinstrumente, sondern auch deren sinnvolle Ergänzung - ein wichtiger Schritt, um die digitale Anwendung noch praktikabler und effizienter zu gestalten.

Der wissenschaftliche Austausch erwies sich als sehr produktiv und mein Aufenthalt in Oxford schuf Impulse für weitere Forschungsvorhaben, die ich seit meiner Rückkehr nach Berlin weiterverfolge.

Leben in Hogwarts-Atmosphäre

Christ Church College

Christ Church College
Bildquelle: privat

Oxford lebt von den historischen Colleges, die schon beim architektonischen Blick beeindruckend sind. Die Doktorandin von meinem Supervisor vor Ort, Kim, brachte mir aber das tatsächliche Leben in den Colleges näher.

Beim Spaziergang durch das Christ Church College erzählte sie mir von den Formal Dinners, bei denen Studierende regelmäßig in formeller Kleidung und nach traditioneller Etikette gemeinsam zu Abend speisen, den renommierten Oxforder Debatten, die Spitzenpolitiker und Prominente für Vorträge und Diskussionen anziehen, sowie von den pompösen Bällen, den Prüfungsritualen und College-eigene Legenden. Als ich kaum noch faszinierter von den Geschichten sein konnte, erreichten wir schließlich den berühmten Speisesaal des Christ Church College, der auch als Kulisse für die legendären Hogwarts-Dining-Hall-Szenen diente. Dort erwartete uns ein großzügig gedeckter Brunch-Tisch mit typisch britischem Essen. Zwischen unzähligen handgemalten Porträts und dem Echo der Gespräche der Studierenden nahmen wir am Ende des langen Tisches Platz – ein Moment, den ich nicht vergessen werde.

Kim lud mich auch in ihr College, St John’s, ein, um ein Formal Dinner mitzuerleben. Ich in formeller Kleidung und sie in Robe durchquerten verschiedenste Gänge, passierten die Bibliothek und gelangten schließlich in den traditionellen Speisesaal. Das Formal begann mit einem lateinischen Tischgebet, das von einer Person stellvertretend für den gesamten Saal gesprochen wurde. Schließlich wurde der Gang zusammen mit hauseigenem College-Wein serviert, was in Kombination mit der Atmosphäre ein besonderes Erlebnis war. Nachdem die Professoren den Saal verlassen hatten und wir auch das Essen beendet hatten, zeigte mir Kim noch die College-eigene Bar mit ihrem charakteristischen Signature Drink. Anschließend erkundeten wir die umliegenden traditionellen Lokalitäten, in denen sich einst auch J. R. R. Tolkien und weitere legendäre Schriftsteller aufgehalten haben sollen.

So birgt Oxford unzählige Geschichten und geheime Orte, die ich während meines Aufenthalts nach und nach für mich entdeckte. Es war eine truly magical time, die mir in Erinnerung bleiben wird und von der ich noch lange erzählen werde.