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Veranstaltungsrückblick: Charité Prevention Dialogue

Prävention als gemeinsame Aufgabe

16.04.2026

Wie kann Prävention im Gesundheitssystem wirksam werden – und wer muss dafür zusammenarbeiten? Diese Frage stand im Zentrum des ersten Charité Prevention Dialogue, zu dem die Charité gemeinsam mit der Oxford Berlin Research Partnership am 14. April 2026 in die Hörsaalruine auf dem Campus Mitte eingeladen hatte.

Dialog in der Hörsaalruine der Charité

Dialog in der Hörsaalruine der Charité

Prävention stärker verankern: Ernährung im Fokus

Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und weiteren gesellschaftlichen Bereichen kamen zusammen, um konkrete Ansätze für eine stärkere Verankerung von Prävention zu diskutieren – mit besonderem Blick auf Ernährung als zentralen Hebel.

Durch den Abend führte Dr. Jens Steinbrink, Geschäftsbereich Strategische Entwicklung der Charité. Auf dem Podium diskutierten Prof. Susan Jebb (Professor of Diet and Population Health, University of Oxford), Prof. Dr. Britta Siegmund (Direktorin der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie, Charité) und Prof. Dr. Heyo Kroemer (Vorstandsvorsitzender der Charité).

Wirksame Präventionspolitik: Einführung der Zuckerabgabe

Prof. Susan Jebb steuerte eine internationale Perspektive auf wirksame Präventionspolitik bei. Als Beraterin der britischen Regierung hat sie eine Schlüsselrolle bei der Einführung einer Reihe von Präventionsmaßnahmen zur Förderung einer gesünderen Ernährung gespielt, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf Veränderungen im Ernährungsumfeld lag. Sie machte deutlich, dass es innerhalb von Gesellschaften erhebliche Ungleichheiten gibt und dass wirksame Prävention eng mit sozialer Gerechtigkeit verbunden ist:

„Aufklärung ist wichtig, aber sie ist nicht alles. Wir alle wissen, dass Gemüse gesund und Kekse ungesund sind – und dennoch greifen wir immer wieder zu den Keksen. Wir müssen das Umfeld so gestalten, dass es den Menschen, unabhängig von ihren Lebensumständen, leichter fällt, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Sie betonte, dass Wissenschaftler*innen nicht nur mit der wiederholten Präsentation ihrer Erkenntnisse, sondern auch durch den beharrlichen Appell an die Werte die Öffentlichkeit für die Notwendigkeit von Prävention sensibilisieren und so Handlungsräume für die Politik schaffen können. Den Erfolg der 2018 eingeführte Abgabe für die Softdrink-Industrie (der Zuckergehalt in Getränken sank, während die Verkaufszahlen stiegen) nannte sie als eines der besten Beispiele für Prävention, und dafür, dass Gesundheit und Profit nicht im Widerspruch stehen müssen.

Exzellenzcluster ImmunoPreCept

Prof. Britta Siegmund lenkte den Blick auf die Perspektive der translationalen Präventionsforschung. Viele wirksame Maßnahmen – etwa Darmkrebsvorsorge oder HPV-Impfung – seien längst vorhanden, entfalten ihr Potenzial aber nur dann, wenn sie die Menschen auch tatsächlich erreichen.

„Die Frage danach, wie Prävention in zehn Jahren aussehen wird,“ so Siegmund, „sollte nicht mehr lauten, was Menschen krank macht, sondern was sie gesund hält.“ Dieser Frage und der grundlegenden Frage danach, was Gesundheit ist, stellt sie sich gemeinsam mit Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Einrichtungen im neuen Exzellenzcluster ImmunoPreCept.

Prävention als strategische Notwendigkeit

Prof. Heyo Kroemer ordnete die Diskussion in den größeren Kontext ein: Die demografische Entwicklung werde das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren massiv unter Druck setzen. Prävention sei deshalb keine optionale Ergänzung, sondern eine strategische Notwendigkeit.

Er betonte, dass Prävention niedrigschwellig und für alle zugänglich gestaltet werden müsse – unabhängig vom Bildungsniveau. Neben technologischen Lösungen könnten auch einfache Veränderungen im Alltag große Wirkung entfalten. Als Beispiel nannte er eine diskutierte Maßnahme aus Singapur, bei der höher angebrachte Steckdosen dazu beitragen können, die Zahl von Hüftoperationen zu senken.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, wie vielschichtig das Thema Prävention ist: Internationale Vergleiche, psychische Gesundheit, genetische Faktoren und Umweltbedingungen wurden ebenso angesprochen wie die Frage, welche Zielgruppen künftig stärker in den Fokus rücken sollten.

Zum Abschluss brachte Susan Jebb die zentrale Botschaft des Abends auf den Punkt:
„Prevention is the new cure.“