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Weary Worlding: Anthropology, Performance, and the Spectre of Radical Alterity

28.01.2026

Die Teilnehmer*innen des Workshops im Oriel College

Die Teilnehmer*innen des Workshops im Oriel College
Bildquelle: privat

Am 29. September 2025 trafen sich Wissenschaftler*innen aus Berlin und Oxford an der Universität Oxford zu einem eintägigen Workshop mit dem Titel „Weary Worlding: Anthropology, Performance, and the Spectre of Radical Alterity”. Der Workshop wurde von Jonas Tinius (Humboldt-Universität zu Berlin) und Lindsey Drury (Freie Universität Berlin) organisiert und durch die Oxford Berlin Research Partnership unterstützt.

Der Workshop brachte Wissenschaftler*innen aus der Anthropologie und den Performance Studies sowie Künstler*innen zusammen, um das ambivalente Vermächtnis radikaler Alterität neu zu beleuchten: die Idee, dass epistemologische und ontologische Unterschiede so tiefgreifend sein können, dass sie sich einer Übersetzung entziehen. Die Teilnehmer*innen reflektierten darüber, wie das Gespenst einer solchen Alterität die zeitgenössische Theorie und Praxis weiterhin heimsucht: einerseits als Kritik am westlichen Universalismus und andererseits als neuer Ort des politischen Nativismus und Essentialismus.

Der Titel „Weary Worlding” (dt.: „Ermüdende Welterschaffung”) fasste diese Spannung zusammen. Von Welterschaffung ermüdet zu sein bedeutet, eine Ermüdung gegenüber wiederholten Aufrufen zu spüren, „Welten anders zu gestalten”, die allzu leicht ihre eigenen Machtverhältnisse übersehen. Welterschaffung zu hinterfragen bedeutet anzuerkennen, dass diese Gesten, selbst wenn sie dekolonial gemeint sind, nach wie vor mit der Geschichte der kolonialen Welterschaffung verflochten sind – der Auferlegung und Naturalisierung bestimmter Welten als universeller Rahmen. Der Workshop stellte daher die Frage, welche Formen des Schaffens, Vorstellens und Darstellens von Welten noch möglich sind, wenn das „Worlding“ selbst zum Gegenstand der Untersuchung wird.

Anhand von Diskussionen und Fallstudien untersuchten die Teilnehmenden, wie Performance-Archive (im weitesten Sinne verstanden als Spuren, Praktiken und Orte, durch die Performance fortbesteht) als Räume dienen können, um solche Fragen zu bearbeiten. Anstatt das Archiv als Aufbewahrungsort von Unterschieden zu betrachten, betrachteten die Teilnehmenden es als ein Feld der Verhandlung und Beziehung, in dem Gleichheit, Identität und Andersartigkeit kontinuierlich dekonstruiert und rekonstruiert werden.

Aus diesen Austauschprozessen erwuchs ein gemeinsames Interesse an alternativen Performance-Archiven, die den Prozess vor die Bewahrung und die Ungewissheit vor Bestimmtheit stellen. Dieser Ansatz fließt in weitere Kooperationen ein, die experimentelle und kritische Dialoge zwischen Anthropologie, Kunst und Performance Studies fördern.

Weitere Informationen

 Organisator*innen:

Lindsey Drury (FU Berlin) und Jonas Tinius (HU Berlin)