Springe direkt zu Inhalt

Fellow Spotlight: Hanna-Tina Fischer

Hanna-Tina Fischer

Hanna-Tina Fischer
Bildquelle: Charité-Universitätsmedizin Berlin

Table Forum Grand Challenges Global Health

Table Forum Grand Challenges Global Health
Bildquelle: Table Media

Die Stärkung von Gesundheitssystemen hin zu mehr Gerechtigkeit und Krisenfestigkeit zählt zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Die Forschung von Dr. Hanna-Tina Fischer leistet hierzu einen wichtigen Beitrag – durch internationale Kooperationen und praxisnahe Policyforschung. Seit sie 2018 nach Berlin gekommen ist, arbeitet sie eng mit Kolleginnen und Kollegen in der Stadt zusammen, um die wachsende Global-Health-Forschungslandschaft Berlins weiter voranzubringen. Aufbauend auf einem früheren BUA Global Health Exploration Project wird Fischer künftig in der neu bewilligten Einstein Research Unit (ERU) „Technologies in Global Health: From Innovation to Users“ (2025–2028) mitwirken.

Als Senior Scientist am Center for Global Health der Charité – Universitätsmedizin Berlin, wo sie das Forschungsthema „Global Health Policy and Systems Research“ mitverantwortet, bringt Fischer ihre Erfahrung aus dem humanitären Sektor sowie ihren Doctor of Public Health der Mailman School of Public Health an der Columbia University ein. In ihrer Forschung untersucht sie, wie Gesundheitsstrategien und -systeme entwickelt und umgesetzt werden, und inwieweit sie den Bedürfnissen der Menschen in ressourcenarmen oder krisengeprägten Kontexten tatsächlich gerecht werden. Ihre über zehnjährige Tätigkeit im humanitären Bereich, unter anderem für UNICEF, Save the Children und UNHCR, prägt dabei ihre wissenschaftliche Perspektive: Erfahrungen aus der unmittelbaren Gesundheitsversorgung fließen direkt in ihre Forschung ein. Gemeinsam mit Partnern in Ghana, Madagaskar und weiteren Ländern gelangt sie zu Forschungserkenntnissen, die Entscheidungsprozesse, Governance-Strukturen und die praktische Bereitstellung gerechter Versorgung stärken sollen. „Ich beschäftige mich insbesondere damit, wie unterschiedliche Formen von Evidenz, Expertise und gelebter Erfahrung politische Prioritäten und deren Umsetzung prägen“, erläutert Fischer, „und damit, wer davon profitiert und wessen Bedürfnisse unberücksichtigt bleiben.“

Bevor sie an das Charité Center for Global Health wechselte, war Fischer unter anderem am Robert Koch-Institut, am Berliner Standort der London School of Hygiene and Tropical Medicine sowie als Faculty-Mitglied an der Columbia University tätig. In dieser Zeit leitete sie unter anderem eine Mixed-Methods-Studie an mehreren Standorten zu den Auswirkungen von COVID-19 auf die Resilienz der Gesundheitssysteme in Sierra Leone und Guinea – Forschung, die nach wie vor ihre Arbeit zu globaler Gesundheitsgovernance, Impfgerechtigkeit und Pandemievorbereitung prägt.

In der neuen ERU wird Fischer untersuchen, wie lokal produzierte Impfstoffe in Ghana geregelt, eingeführt und von der Bevölkerung angenommen werden. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern erforscht sie, wie der Ursprung eines Impfstoffs – ob lokal hergestellt oder importiert – das Vertrauen beeinflusst und welche regulatorischen und organisatorischen Voraussetzungen nötig sind, um einen gerechten Zugang sicherzustellen. Ziel ist es, Erkenntnisse für eine bessere Politikgestaltung, regulatorische Vorbereitung und gerechte Verteilung zu liefern, während Ghana die eigene Impfstoffproduktion ausbaut.

Parallel zu ihrer Rolle im Global Health ERU engagiert sich Fischer in weiteren Initiativen, die das Feld in Berlin und darüber hinaus stärken. Kürzlich wurde sie in das Scientific Committee der für März 2026 geplanten BUA Grand Challenges Conference berufen. Mit Global Health als einem zentralen Thema soll die Konferenz zeigen, wie kollaborative, interdisziplinäre Forschung gesellschaftliche Herausforderungen wirksam adressieren kann. Zudem ist Fischer Mitglied der World Health Summit Academic Alliance Working Group mit UNICEF und Blockchain for Impact, wo sie gemeinsam mit anderen Expertinnen und Experten skalierbare und gleichzeitig lokal verankerte Lösungen für die Gesundheit von Müttern und Kindern erarbeitet.

Darüber hinaus bildet Fischer als Faculty-Mitglied im 2024 gestarteten Global Health PhD Program der Charité und als Dozentin im Masterstudiengang Global Health der Technischen Universität Berlin den wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich Global Health aus.

In Botswana geboren und in Indien sowie Pakistan aufgewachsen prägt globale Verbundenheit Fischers Arbeit seit jeher – etwas, das Berlin mit seiner starken akademischen Infrastruktur in besonderer Weise unterstützt. „In einer Zeit globaler Veränderungen“, reflektiert Fischer, „ist [Berlin] ein Ort geblieben, an dem sich ambitionierte, kritisch-reflektierte Gesundheitsforschung verfolgen lässt, die direkt an politische Prozesse und die Praxis anknüpft.“ Besonders wichtig sei die lebendige, vielfältige und kritische Global-Health-Community der Stadt, die Interdisziplinarität lebt und aktiv fördert, eine Grundvoraussetzung für Fortschritt im Rahmen der BUA Grand Challenge Initiative zu Global Health und ein zentraler Aspekt der neuen ERU. BUA-Projekte stärken diese Forschungslandschaft und unterstützen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Fischer. „Durch die BUA konnten wir starke Partnerschaften mit Kolleg:innen in Ghana aufbauen und zentrale Governance-Fragen identifizieren, die nun im Mittelpunkt der Arbeit der ERU stehen“, sagt sie weiter. „Die BUA hat wesentlich dazu beigetragen, interdisziplinäre Zusammenarbeit zu ermöglichen und eine Forschungscommunity zu schaffen, in der Forscherinnen wie ich sich weiterentwickeln können.“

Auch Berlin selbst ist ein entscheidender Faktor für die Arbeit der BUA, und dessen ist sich Fischer bewusst. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsort in der Hauptstadt nennt sie als Erstes das Tempelhofer Feld: einst ein Flughafen mit bewegter Geschichte, heute ein offener Raum voller Möglichkeiten. „Es ist ein Ort, an dem sich Berlins Vielfalt zeigt, und er erinnert mich daran, was ich an dieser Stadt so schätze“, sagt Fischer. „Das Feld ist ein Raum, in dem Kreativität, Gemeinschaft und neue Ideen entstehen können. Zugleich begegnen sich hier Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenswegen, von Familien, die spazieren gehen, bis hin zu Menschen auf der Suche nach Schutz. Es ist ein Ort, der zeigt, wie gelebte Vielfalt eine Stadt prägt.“