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Forschungssicherheit gestalten: durch Austausch und gemeinsame Verantwortung

Konferenz zum Thema Forschungssicherheit am 19. März 2026 mit mehr als 100 Teilnehmenden aus Wissenschaft und Politik

News vom 15.04.2026

Forschungssicherheit ist längst kein Thema mehr für einzelne Expert*innenkreise; sie ist eine zentrale Voraussetzung für verantwortungsvolle internationale Zusammenarbeit und den Schutz von Wissenschaftsfreiheit. Am 19. März 2026 diskutierten mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus 29 Hochschulen, sowie Förderorganisationen, Ministerien und außeruniversitären Einrichtungen über die Weiterentwicklung von Forschungssicherheit an deutschen Universitäten. Die Konferenz „Forschungssicherheit gestalten: Strukturen und Perspektiven an deutschen Universitäten“ wurde vom Forum on Diplomatic Resilience und dem Berlin Center for Global Engagement (BCGE) der Berlin University Alliance (BUA) organisiert. Ziel der Veranstaltung war es, Praxiswissen zu teilen und gemeinsame Handlungsoptionen zu identifizieren.

Eröffnung und Keynote

Prof. Dr. Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin und Sprecher der BUA betonte in seinem Grußwort die Notwendigkeit des Austauschs zwischen Verwaltung und Forschenden sowie der Vernetzung der Hochschulen untereinander. In der anschließenden Keynote „Forschungssicherheit als Element institutioneller Resilienz“ plädierte Dr. Jens Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, dafür, dass Hochschulleitungen beim Thema Forschungssicherheit in Führung gehen, an bestehende Prozesse anknüpfen und Ansprechpersonen zentral festlegen sollten, um die institutionelle Resilienz zu stärken.

Praxissessions: Instrumente und Lernprozesse

In den parallelen Praxissessions gaben Hochschulvertreter*innen Einblicke in erprobte Tools und Formate – für Risikoabwägungen, Prüfprozesse, Sensibilisierung und Schulungen. Deutlich wurde, dass viele hilfreiche Instrumente bereits existieren, diese aber je nach institutionellem Kontext unterschiedlich kombiniert und gewichtet werden. Konkrete Entscheidungen bedürfen meist einer Kombination aus datengestützter Analyse, manueller Recherche und regionaler Expertise. Diese Komponenten langfristig zu sichern, Ergebnisse zu dokumentieren und intern zu zirkulieren sind entscheidende Erfolgsfaktoren bei der Due Diligence-Arbeit an Hochschulen.

Paneldiskussionen zu Compliance Internationales, Offenheit und Sicherheit sowie nationale Koordination

Die erste Paneldiskussion widmete sich Governance- und Compliance-Strukturen. Unter dem Titel „Hochschulen auf dem Weg zu Compliance Internationales?“ diskutierten Dr. Johannes Müller (Leiter Global Office, Goethe-Universität Frankfurt), Ann-Kathrin Bilda (Leiterin des Compliance Office, Universität Münster) und Ralf Karrenbauer (Exportkontrollbeauftragter, Universität Bonn). Ein zentrales Ergebnis: Klar verankerte Strukturen helfen, intern Verantwortung zu bündeln, Prozesse zu koordinieren und Forschungssicherheit enger an die Hochschulleitung anzubinden. Zusätzlich braucht es eine Vernetzung nach außen, um zeitnah und verhältnismäßig auf Veränderungen in den rechtlichen Grundlagen oder im politischen Kontext reagieren zu können. Diese Kombination ermöglicht es, Forschenden in ihrem eigenverantwortlichen Tun beratend zur Seite zu stehen und den Schutz der Wissenschaftsfreiheit zu gewährleisten.

Mehr Klarheit bei Begrifflichkeiten und institutionellen Schwerpunkten forderten im anschließenden Panel auch Prof. Dr. Andrea Fleschenberg dos Ramos Pinéu (Asien- und Afrikawissenschaften, HU Berlin), Prof. Dr. Heinz Pampel (Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, HU Berlin), Dr. Tim Flink (Manager, vfa) und Prof. Dr. Jens Eisert (Dahlem Center für komplexe Quantensysteme, FU Berlin). Damit Forschende das Spannungsfeld zwischen Sicherheitsanforderungen und Offenheit zukünftig noch besser navigieren können, sollten Beratungs- und Schulungsangebote der Guten Wissenschaftlichen Praxis um Sicherheitsaspekte erweitert werden. Diese sollten dialogisch von Forschenden und Institutionen entwickelt werden: Einzelne Fächerkulturen können mit ihren Erfahrungen in der ethischen und sicherheitsrelevanten Folgenabschätzungen einen wichtigen Beitrag leisten und erhalten im Gegenzug möglichst unbürokratisch Unterstützung bei der praktischen Ausgestaltung ihrer Kooperationen.

Im abschließenden Panel wurde die Rolle nationaler Koordinationsstrukturen diskutiert, insbesondere die aktuell entstehende Nationale Plattform für Forschungssicherheit. Teilnehmende waren Sakine Weikert (Leiterin Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) des DAAD), Nils Droste (Leiter Referat Forschungssicherheit und Investitionsprüfung, BMFTR), Dr. Simone Rehm (Prorektorin für Informationstechnologie, Universität Stuttgart) und Dr. Magnus Rüde (Leiter Geschäftsstelle Aufsichtsrat, Charité). Die Plattform wurde als wichtiger Schritt zur Bündelung von Expertise und zur Unterstützung komplexer Kooperationsvorhaben gewertet. Kritisch erörtert wurden die Vermeidung von Doppelstrukturen zu bestehenden Beratungsangeboten und die Frage, wie autonome Governance- und Selbstverwaltungsstrukturen an eine solche Plattform anschlussfähig gemacht werden können – insbesondere vor dem Hintergrund begrenzter personeller Ressourcen auf Seiten der Hochschulen.

Fazit und Ausblick

Die Konferenz machte deutlich: Forschungssicherheit ist ein gesamtinstitutionelles Thema, das fachübergreifend und in enger Abstimmung zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Politik bearbeitet werden muss. Wichtige nächste Schritte sind die Weiterentwicklung institutionsspezifischer Governance-Modelle, die Stärkung von Schulungs- und Beratungsangeboten sowie die Schaffung von Schnittstellen zu nationalen Koordinationsstrukturen. Der intensive informelle Austausch während der Veranstaltung zeigte zugleich, dass ein hoher Bedarf an Vernetzung und Erfahrungsaustausch besteht – eine Basis, auf der künftig gemeinsame Lösungsansätze und Aktivitäten aufgebaut werden können.

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