Fellow Spotlight: Eva Cheng
An der UTS ist Cheng Head of School in der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und IT, wo sie Forschung und Lehre zu soziotechnischen Kompetenzen in den Disziplinen Ingenieurwesen und IT verantwortet. Ihre Arbeit schlägt häufig eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis durch Kooperationen mit gemeinnützigen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, mit dem Ziel, inklusive Ansätze in (sozio-)technische Bildung zu integrieren.
Seit ihrer Ankunft in Berlin ist Cheng in ein dynamisches Netzwerk von Forschenden und Praktiker*innen eingetaucht, die sich mit intersektionalen Perspektivenbeschäftigen. „Die Zeit vergeht hier unglaublich schnell! Ich habe so viele Menschen getroffen, die in verschiedenen Bereichen zu Intersektionalität und inklusiven Methoden arbeiten. Berlin ist in diesem Feld wirklich sehr aktiv und spielt eine zentrale Rolle“, sagt sie und ergänzt: „Die Gespräche in den kommenden Monaten weiterzuführen und zu erkunden, wie wir über meine Zeit hier hinaus zusammenarbeiten können, ist mir ein großes Anliegen – ich schätze die offene Haltung gegenüber interdisziplinärer Zusammenarbeit sehr.“
Cheng hat bereits eine Vielzahl von Aktivitäten im Rahmen ihrer Gastprofessur umgesetzt, darunter einen Beitrag zum DiGENet-Symposium der Berlin University Alliance zu Diversität, Partizipation und Innovationsperspektiven in der Hochschullehre gemeinsam mit Prof. Dr. Tanja Tajmel im Mai. Im Juni nahm sie an der Podiumsdiskussion Engaging Democratic Societies in Science beim BUA Fellows Forum des Fellows Club in Kooperation mit der Falling Walls Foundation teil. Dort plädierte sie dafür, vielfältige Perspektiven in der Wissenschaftskommunikation stärker zu berücksichtigen, um Vertrauen in die Wissenschaft wieder zu stärken. Ihre Antrittsvorlesung „On Student Belonging“ fand am Dienstag, den 30. Juni statt und widmete sich der Frage, wie Universitäten Bedingungen schaffen können, in denen Studierende sich anerkannt fühlen, inkludiert werden und echte Zugehörigkeit erfahren.
Auch der internationale akademische Austausch ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Während eines Besuchs einer ghanaischen Delegation traf Cheng auf Prof. Angela Akorsu, die Audre Lorde-Gastprofessorin 2025, um sich über Ansätze zur Förderung von inklusiven Ansätzen in der Hochschulbildung auszutauschen. An der TU Berlin bietet ihr Seminar zudem Raum, Themen zu vertiefen, die sie stärker in MINT-Curricula verankern möchte – darunter Machtverhältnisse, Privilegien sowie rechtebasierte Ansätze in Ingenieur- und IT-Praxen. Diese Themen erfordern laut ihr auch neue pädagogische Ansätze, die Machtstrukturen im Unterricht kritisch reflektieren, studentische Handlungsfähigkeit stärken und die gelebten Erfahrungen der Studierenden in den Mittelpunkt stellen.
Über die akademische Arbeit hinaus sucht Cheng aktiv den Austausch mit der Zivilgesellschaft und besuchte unter anderem den Humanitarian Congress Berlin, die Berliner Freiwilligenbörse sowie Veranstaltungen im Rahmen der re:publica. Zudem hat sie begonnen, sich lokal ehrenamtlich zu engagieren, um neue Kooperationsmöglichkeiten zu erschließen und Studierenden den Zugang zu gesellschaftlich relevanten Praxisfeldern zu eröffnen.
Die Gastprofessur bietet Cheng etwas, das ihr als Studiengangsleiterin in Australien häufig fehlt: Zeit. „Diese fokussierte Phase in Berlin ermöglicht es mir, intensiv zu lesen, zuzuhören und Gespräche zu führen“, erklärt sie. „Mit meinen Aufgaben an der UTS – Management-Meetings, Budgets und der ständigen Reaktion auf neue Herausforderungen – ist es oft schwierig, kontinuierlich an meiner Forschung zu arbeiten.“
Mit Blick auf die kommenden Monate wird ihr Programm in Berlin weiter ausgebaut. Sie wird im Juli 2026 an einer gemeinsamen Symposiumssession der Gender & STEM Conference an der Universität Salzburg teilnehmen, gemeinsam mit Partner*innen der UTS, der TU Berlin, der Freien Universität Berlin und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. In Kooperation mit dem Berlin Center for Global Engagement plant sie zudem den Besuch einer Gastwissenschaftlerin der National Engineering School of Tunis, deren Arbeit zu Gender und Inklusion in MINT in einem Seminar sowie einer möglichen Folge des BUA Meridian Podcasts vorgestellt werden soll.
Für Cheng bietet Berlin ein besonders reiches Umfeld für diese Arbeit. „Berlin verfügt über eine starke Forschungs- und Praxislandschaft im Bereich intersektionaler Geschlechterforschung in MINT – und das nicht nur an einer einzelnen Universität“, sagt sie. „Viele verschiedene Hochschulen innerhalb der Berlin University Alliance und darüber hinaus arbeiten aktiv in diesem Feld. Die offene, progressive und kreative Kultur Berlins erleichtert zudem Kooperationen.“
Besonders beeindruckt zeigt sie sich vom Kooperationsmodell der Berlin University Alliance: „Die geteilten Ressourcen und die kollaborative Kultur, die die BUA ermöglicht, wünsche ich mir auch in Sydney“, sagt sie. „Es wäre ideal, wenn Universitäten stärker gemeinsam arbeiten und Ressourcen teilen würden, statt miteinander zu konkurrieren.“
Gleichzeitig betont Cheng, dass internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit über den reinen Wissensaustausch hinausgeht: „Wir profitieren alle davon, unterschiedliche Arbeits-, Denk- und Handlungsweisen kennenzulernen“, reflektiert sie. „Die Sichtbarkeit gemeinsamer Arbeit über Länder und Kulturen hinweg macht einen Unterschied. Auch wenn wir ähnliche Herausforderungen haben, gibt es wichtige Unterschiede – etwa ist die Geschlechterungleichheit in MINT nicht überall ein Thema.“
Mit ihrer Arbeit in Berlin trägt Cheng nicht nur zu aktuellen Diskussionen über inklusive Lehre, Forschung und Organisationskultur in MINT bei, sondern gestaltet auch neue Dialoge, die auf Zusammenarbeit, kritischer Reflexion und dem Anspruch basieren, sowohl Lehrveranstaltungen als auch Institutionen nachhaltig zu verändern.

