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Fellow Spotlight: Stefano Evangelista

Stefano Evangelista

Stefano Evangelista
Bildquelle: Philip Bullock

Happy in Berlin? By Gesa Stedman and Stefano Evangelista in Cooperation with Literaturhaus Berlin

Happy in Berlin? By Gesa Stedman and Stefano Evangelista in Cooperation with Literaturhaus Berlin
Bildquelle: Courtesy of Stefano Evangelista via Wallstein Verlag

Der Berlin University Alliance Fellows Club freut sich, in diesem Monat einen Fellow Spotlight auf den Oxforder Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Stefano Evangelista zu richten. Er bereitet derzeit eine gemeinsame Summer School mit dem Harvard Institute for World Literature vor, die im Juni und Juli 2026 an der Humboldt-Universität stattfinden wird.

Evangelista, der im Rahmen des Einstein/BUA Oxford Visiting Fellow Program in Berlin ist, beschäftigt sich damit, wie sich Konzepte zu literarischem Kosmopolitismus und Weltliteratur im frühen 20. Jahrhundert in der deutschen Hauptstadt herausgebildet haben. Gemeinsam mit Prof. Gesa Stedman vom Centre for British Studies der Humboldt-Universität hat er dazu eine Forschungsgruppe gegründet, die regelmäßig Workshops und Veranstaltungen organisiert und zugleich die Zusammenarbeit zwischen Oxford und der BUA unter dem Dach der Oxford-Berlin Research Partnership vertieft.

Seit vielen Jahren ist Evangelista der Berliner Forschungslandschaft eng verbunden: „Seit ich Doktorand in den frühen 2000er-Jahren war, komme ich regelmäßig hierher“, erinnert er sich. „Damals habe ich zur Wirkungsgeschichte deutscher Ästhetik und Philologie in der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts geforscht.“ Seither haben sich seine Schwerpunkte weiterentwickelt, doch das Interesse an den Beziehungen zwischen verschiedenen Sprachen und Literaturen ist geblieben. 2021 kuratierte er gemeinsam mit Stedman eine Ausstellung über britische Autor*innen im Berlin der 1920er- und 1930er-Jahre, die sowohl in Berlin als auch in Oxford gezeigt wurde. Im Rahmen seiner Einstein/BUA-Fellowship wendet er sich nun stärker theoretischen Fragen zu und untersucht die historische Entwicklung von Konzepten wie Weltliteratur und literarischem Kosmopolitismus, insbesondere mit Blick darauf, wer oder was in ihrer Konstruktion häufig marginalisiert wird.

Diese Forschung, so Evangelista, dient dazu, „den naiven Optimismus, der der Idee des Kosmopolitismus oft anhaftet, kritisch zu hinterfragen“. Wie Weltliteratur und Kosmopolitismus Aspekte wie Geschlecht, Herkunft, Behinderung und sexuelle Orientierung berücksichtigen und welche Rolle marginalisierte Gruppe wie Migrant*innen und Geflüchtete spielen, sind zentrale Fragen seiner aktuellen Arbeit. Besonderes Augenmerk gilt dabei ihrer historischen wie gegenwärtigen Bedeutung im literarischen Raum der Stadt Berlin.

Um diese Themen zu beleuchten, haben Evangelista und Stedman bereits mehrere Veranstaltungen organisiert. Eingeladen waren neben Forschenden aus Berlin, Oxford und verschiedenen europäischen Ländern auch junge Autor*innen und Künstler*innen mit Migrationsgeschichte. Sie geben, wie Evangelista betont, differenzierte Einblicke aus der Praxis in „die Mechanismen von Inklusion und Exklusion, die den Gebrauch der englischen Sprache im heutigen Berlin prägen“. Zu den diskutierten Themen gehörten etwa die vielschichtigen Wechselbeziehungen zwischen Übersetzungen in literarischen Zeitschriften und literarischen Akteur*innen als Träger von Vorstellungen weltbürgerlicher Zugehörigkeit zwischen den 1870er-Jahren und den 1930er-Jahren. Ein weiteres Thema war die Idee der „Weltstadt“ im späten 19. Jahrhundert und ihre Bedeutung für Erfahrungen urbaner Moderne sowie die Ausweitung internationaler literarischer Austauschprozesse. Derzeit arbeitet das Projektteam an zwei Sonderheften wissenschaftlicher Zeitschriften, die auf Workshopergebnissen aus den Jahren 2024 und 2025 basieren.

Der nächste große Meilenstein ist die Summer School mit dem Harvard Institute for World Literature, die im Juni und Juli 2026 an der Humboldt-Universität stattfinden wird und, wie Evangelista erläutert, „Studierende im Master- und Promotionsbereich aus aller Welt mit führenden Wissenschaftler*innen der Komparatistik, der Weltliteraturforschung und der Übersetzungswissenschaft zusammenbringt“. Bewerbungen sind vom 1. November 2025 bis zum 1. Februar 2026 möglich. Zehn Plätze werden kostenfrei an Studierende der Oxford University sowie der Berlin University Alliance vergeben.

Berlin selbst spielt für Evangelistas Forschung eine zentrale Rolle. „Eine akademische Zusammenarbeit in Berlin zu beginnen, eröffnet den Zugang zu außergewöhnlich interessanten und vielfältigen Netzwerken, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Kunstwelt“, sagt er. Der Einstein/BUA Fellow genießt es, Zeit in Galerien und in seinen Lieblingscafés wie dem Café Zwiebelfisch am Savignyplatz, dem Café Fleury in Mitte oder Lass Uns Freunde Bleiben in Prenzlauer Berg zu verbringen, wo er liest, auch mal ohne Computerbildschirm arbeitet oder einfach die Kosmopolis Berlin aus erster Reihe beobachtet.