Fellow Spotlight: Samia Akhter-Khan
Der in diesem Jahr in Nature Health erschienene Artikel, der in Zusammenarbeit mit der Psychologin Julianne Holt-Lunstad von der Brigham Young University sowie Shuyan Liu von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité – Universitätsmedizin entstanden ist, legt konzeptionelle Grundlagen dafür, die Auswirkungen von Klimawandel auf Einsamkeit und soziale Verbundenheit zu verstehen. Die Autor*innen argumentieren, dass angesichts zunehmend häufiger klimabedingter Krisen und gleichzeitig rasch alternder Gesellschaften die Forschung stärker untersuchen muss, wie diese Entwicklungen zusammenhängen.
Ihre Analyse zeigt, dass der Klimawandel eine doppelte Rolle spielt: Einerseits kann er Isolation und Einsamkeit verstärken, andererseits eröffnet er neue Möglichkeiten, insbesondere für ältere Menschen, sich beispielsweise in Ehrenämtern, Klimaaktivismus oder Aktivitäten in der Natur zu engagieren. „Wir stehen erst am Anfang, die Auswirkungen eines sich verändernden Klimas auf unsere sozialen Beziehungen zu verstehen. Es gibt noch viel zu erforschen“, sagt Akhter-Khan. In einem Sammelband bringt sie derzeit Autor*innen aus sechs Kontinenten zusammen, um globale Perspektiven auf soziale Beziehungen im Alter im Kontext des Klimawandels zu beleuchten. Die Veröffentlichung ist für 2027 bei Policy Press in der Reihe Ageing in a Global Context geplant.
Nach ihrer Promotion am King’s College London, für die sie mit dem Dissertation Award der American Psychological Association im Bereich Psychology and Aging ausgezeichnet wurde, entschied sich Akhter-Khan, ihre wissenschaftliche Laufbahn in Berlin fortzusetzen. Dies bedeutete zugleich die Rückkehr in eine Stadt, die sie bereits gut kannte. Zwischen 2014 und 2021 hatte sie Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. „Berlin ist für mich ein Zuhause“, sagt sie. „Die Stadt ist spontan, international und vergleichsweise erschwinglich. Sie bietet viel Kunst, kulturelle Veranstaltungen und grüne Orte, die besonders im Sommer attraktiv sind. Und natürlich sind da meine Freund*innen, die größtenteils hiergeblieben sind.“
Nach ihrer Rückkehr gründete Akhter-Khan das CARE Lab an der Medizinischen Hochschule Brandenburg und ist zugleich als Gastwissenschaftlerin an der Charité in der Arbeitsgruppe Umwelt und psychische Gesundheit tätig. „Im CARE Lab verfolgen wir einen interdisziplinären Ansatz, um die neue Schnittstelle zwischen sozialer Verbundenheit, Einsamkeit, Klimawandel und demografischem Wandel besser zu verstehen“, erklärt sie. Ziel ist es, Perspektiven aus Psychologie, Public Health, Umweltforschung und Sozialwissenschaften zusammenzuführen und zu untersuchen, wie klimabedingte Veränderungen das soziale Leben und das Wohlbefinden von Menschen und Gemeinschaften beeinflussen.
Zur weiteren Entwicklung dieses Forschungsfeldes erhielt Akhter-Khan Fördermittel der Berlin University Alliance, um eine X-Student Research Group mit dem Titel „Social connection in times of climate change“ zu leiten. In diesem Seminar arbeiten Studierende aus verschiedenen Berliner Hochschulen und Disziplinen gemeinsam an Forschungsprojekten zur Frage, wie Gemeinschaften auf Umweltveränderungen reagieren. „Die Studierenden haben eigene Forschungsideen entwickelt, ihre Konzepte vorgestellt und sich schließlich für die Umsetzung eines der Projekte im Sommersemester entschieden“, berichtet Akhter-Khan.
Das ausgewählte Projekt ist ein intergenerationelles Climate-Resilience-Lab, das Migrant*innen sowie ältere Berliner*innen in einem World-Café-Format zusammenbringt. Die Teilnehmenden tauschen sich über Erfahrungen mit Klimawandel, Resilienz und Zugehörigkeit aus. Die Studierenden dokumentieren diese Gespräche und präsentieren die Ergebnisse in einer Ausstellung . „Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse und darauf, was die Studierenden gemeinsam entwickeln werden“, sagt Akhter-Khan.
Die X-Student Research Groups sind Teil des Student Research Opportunities Program (StuROPx), einer Initiative der Berlin University Alliance. Das Programm fördert Seminare unter Leitung von Nachwuchswissenschaftler*innen und verbindet Lehre mit praxisnaher Forschung. Studierende erhalten so die Möglichkeit, eigene Forschungserfahrungen zu sammeln und gleichzeitig zu neuer Forschung beizutragen.
Auch über ihre Forschung hinaus spielt Berlin eine wichtige Rolle im Alltag von Akhter-Khan. Ihr Lieblingsort ist das Tempelhofer Feld, der ehemalige Flughafen, der heute zu den größten innerstädtischen Freiflächen Europas gehört. „Ich habe das Glück, diesen Ort quasi als meinen Garten nutzen zu können und verbringe viel Zeit dort“, sagt sie. „Die Weite ist beeindruckend und es gibt immer etwas zu entdecken.“ Auf dem Feld erholt sie sich, trifft ihre Freund*innen und macht lange Spaziergänge.


