Fellow Spotlight: Mihnea Chiujdea
Derzeit ist Chiujdea Visiting Research Fellow am Institut für Philosophie der FU Berlin unter der Betreuung von Prof. Dr. Dina Emundts. Er kam aus London nach Berlin, um dort seine Promotion aufzunehmen, die er inzwischen abgeschlossen hat.
Neben seiner Forschung zur Frage der personalen Identität konzipierte und leitete Chiujdea zwei durch die BUA geförderte X-Student Research Groups zur Sozialontologie, in denen zeitgenössische Formen von Xenophobie untersucht wurden. In „Reductionism: From the Personal to the Political“ untersuchte er gemeinsam mit MA- und fortgeschrittene BA-Studierenden Verschwörungstheorien zum sogenannten Bevölkerungsaustausch. Dabei berücksichtigten sie Einsichten aus seiner Forschung zur personalen Identität und Philosophie des Geistes. In der anschließenden Research Group, „Ontological Threats: Defensive Racism in the European New Right“, analysierten die Teilnehmenden neue Formen von Rassismus und wie sie sich in der europäischen Neuen Rechten seit 1945 herausgebildet haben. Beide Seminare schlossen mit einer Konferenz, auf der die Studierenden ihre Ergebnisse präsentierten, Vorträge hörten und Feedback von Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern erhielten.
„Die Leitung dieser X-Student Research Groups“, so Chiujdea, „war eine sehr bereichernde Erfahrung, die mir eine breite Palette an Fähigkeiten für die frühe wissenschaftliche Karriere vermittelt hat – von der Organisation von Konferenzen über forschungsbasierte Lehrformate bis hin zur Betreuung eigenständiger Forschungsarbeiten.“
Die Erkenntnisse aus den Research Groups und seine Dissertation bildeten die Grundlage für die Projekte, mit denen Chiujdea sowohl das DFG-Stipendium als auch den Buchvertrag bei Bloomsbury erhielt. In seiner geplanten Monografie mit dem Titel Heidegger and Parfit against Personal Identity. Reflections on Reductionism, Agency and Originary Temporality widmet er sich erneut der Frage personaler Identität. „Es geht um die Frage, was notwendig und hinreichend dafür ist, dass eine Person zu einem Zeitpunkt dieselbe ist wie zu einem anderen“, erläutert der Autor. Chiujdeas Ansatz ist neuartig, weil er die Voraussetzungen dieser Frage selbst kritisch prüft.
Das im Rahmen des Walter-Benjamin-Programms geförderte Postdoc-Projekt greift ein zentrales Problem auf: Wenn die Teilhabe an sozialen Normen den Menschen überhaupt erst konstituiert und unserer Fähigkeit zur Reflexion über Normen vorausgeht, wie können Individuen dann mehr tun als Normen lediglich zu reproduzieren? Chiujdea zielt darauf ab, die Handlungsspielräume zu beschreiben, die soziale Normativität zulässt, und stellt die Hypothese auf, dass unheimliche Erfahrungen dabei eine wichtige Rolle spielen. Auf diese Weise entwickelt er eine neue philosophische Auseinandersetzung mit dem Unheimlichen, mit dem Ziel, „eine neue Perspektive auf unsere Existenz zu eröffnen und die Endlichkeit sowie Wandelbarkeit unseres Seins hervorzuheben“, wie er erläutert.
Workshops in London und Potsdam werden das Postdoc-Projekt begleiten; zugleich hofft Chiujdea, weiterhin eng mit Berliner Universitäten zusammenzuarbeiten. „Die BUA bietet ein einzigartiges Umfeld mit hervorragenden Möglichkeiten für Forschung und Lehre“, sagt er. Zugleich schätzt er das „lebendige und tolerante“ Klima Berlins, weist aber auch auf Herausforderungen durch Kürzungen und hochschulpolitische Konflikte hin. Besonders verbunden fühlt er sich der Staatsbibliothek Unter den Linden, inklusive einer „peinlich genauen Kenntnis der besten Wege hinein, wenn es besonders voll ist“. Auch am Teufelssee verbringt er gerne Zeit, um zur Ruhe zu kommen und die Gedanken schweifen zu lassen.

