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Fellow Spotlight: Karen Leeder

Karen Leeder

Karen Leeder
Bildquelle: Oxford Atelier

Karen Leeder Pschye Running

Karen Leeder Pschye Running
Bildquelle: Karen Leeder

Karen Leeder Talk

Karen Leeder Talk
Bildquelle: André Wirsig / Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Wir freuen uns sehr, Professorin Karen Leeder im ersten Fellow Spotlight des BUA Fellows Club vorzustellen – einer neuen monatlichen Reihe, die exzellente Leistungen aus dem Umfeld der Berlin University Alliance sichtbar macht.

Leeder, preisgekrönte Übersetzerin zeitgenössischer deutscher Literatur und renommierte Professorin an der Faculty of Medieval and Modern Languages der Universität Oxford, ist seit 2023 Einstein BUA/Oxford Visiting Fellow an der Freien Universität Berlin. In ihrem Fellowship-Projekt mit dem Titel ‚AfterWords’ überschreitet sie bewusst die Grenzen der Universität und bezieht Künstlerinnen und Künstler in allen Phasen ein. Ausgangspunkt ist die Frage: Was bedeutet es, „nach“ etwas zu kommen, einem bestehenden Modell zu folgen?

Das Projekt nähert sich dieser Frage in mehreren Strängen: ‚After Confession’ untersucht das lyrische Subjekt und seine Erweiterung über klassische Subjektivität hinaus; ‚Afterlives’ befasst sich mit Elegie und Gespenstern, die Gedichte mit ihrer Vergangenheit heimsuchen; ‚Afterwords’ verfolgt die „Nachleben“ von Gedichten, wenn sie in andere Medien wie Film, Skulptur, Kunst oder neue Sprachen überführt werden. „Insgesamt“, so Leeder, „erforscht das Projekt die Mechanismen, die es Poesie ermöglichen, über ihre eigene Zeit, ihren Ort und ihre Form hinaus zu zirkulieren.“ Ein weiterer Strang, ‚After Nature’, wird über die Projektlaufzeit hinaus fortgeführt und verbindet die Ergebnisse mit Fragen der Lyrik im Anthropozän.

Während sich ‚AfterWords’ seinem Abschluss nähert, gibt es bereits viel zu feiern. Gemeinsam mit ihrem Team produzierte Leeder kürzlich die vorletzte Folge des Podcasts ‚Nach dem Gedicht/After the Poem‘, entstanden in Kooperation mit dem Haus für Poesie. Darin spricht Literaturwissenschaftlerin der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für Literaturwissenschaftliche Studien Jutta Müller-Tamm mit der Dichterin Nadja Küchenmeister über die Frage, was nach einem einzelnen Gedicht kommt. Auch mehrere Publikationen sind aus dem Projekt hervorgegangen: AfterWords: Nachheit und Nachleben in der Lyrik (Hg. Jan Derksen und Lisa Memmeler, Berlin Universities Publishing, 2025), entstanden aus einem experimentellen Masterseminar zwischen Oxford und Berlin, oder die Broschüre „Alternative Archive. Acht Gedichtgespräche“ (Hg. Lea Schneider, Hochroth München 2025), die im Sommer 2024 ihren Anfang nahm. Am 23. Oktober 2025 findet zudem der letzte Workshop des Projekts im Literaturforum statt – mit Beiträgen von Wissenschaftler:innen, Dichter:innen und Übersetzer:innen sowie einem eigens in Auftrag gegebenen Film des Kollektivs Poesie Handverlesen.

Doch ‚AfterWords’ ist mehr als ein akademisches Vorhaben. „Das Projekt sollte von Anfang an Raum für alle Beteiligten schaffen, um ihren eigenen Interessen nachzugehen“, betont Leeder. Sie verweist auf die Unterstützung durch ihre Gastgeberin Jutta Müller-Tamm sowie auf die enge Zusammenarbeit mit der Dichterin und Postdoc Lea Schneider, der Doktorandin Lisa Memmeler und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Jan Derksen. „Künstler:innen waren in jeder Phase fester Bestandteil des Projekts.“ Stationen waren u. a. das Haus für Poesie, das Literarische Colloquium Berlin und das Brecht-Haus. Besondere Höhepunkte: das Kolloquium Enter the Ghosts (2024), für das das Kollektiv Kaboom neue Arbeiten entwickelte, oder Nimm Notiz! 3, inspiriert von Elke Erb, das in Skulpturen, Film und Klangcollagen mündete.

Auch für Leeder persönlich war das Fellowship prägend. „Die Arbeit am Projekt hat mich selbst in neue Richtungen inspiriert“, sagt sie. Neue Kooperationen in Berlin, Gastvorträge und weitere Buchprojekte sind entstanden. Neben einem geplanten Essayband arbeitet sie an zwei Rilke-Büchern – einer Anthologie von Übersetzungen und einer Studie zu seiner Rezeption im Englischen. Zugleich führt sie ihre Beschäftigung mit Durs Grünbein fort, über den sie nicht nur wissenschaftlich publiziert, sondern den sie auch übersetzt hat. Ihre Übertragung Psyche Running (Seagull Press, 2024) wurde 2025 mit dem Griffin Poetry Prize ausgezeichnet. „Ich freue mich besonders, dass das Projekt so stark in die lebendige Kunstszene Berlins hineinwirkt“, resümiert sie.

Auch jenseits der Forschung hat Leeder ihre Stadt gefunden: „Ich liebe Berlin – vor allem die außergewöhnliche Kunstszene, vom Experimentellen bis zum Weltklasse-Niveau. Ich entdecke ständig Neues.“ Besonders angetan haben es ihr die Flohmärkte und die Seen. Zum Arbeiten zieht sie durch Cafés, den Dorotheenstädtischen Friedhof – oder an heißen Sommertagen ins „Coffee Drink your Monkey“ am Savignyplatz.