Forschungsstandort Berlin: "Ein hervorragendes Portfolio"
Neben ihrem Einsatz für die Internationalisierung der Berlin University Alliance leitet Ulrike Hillemann-Delaney seit 2017 die Abteilung Internationales an der Technischen Universität Berlin. Erfahrungen in der internationalen Forschungszusammenarbeit machte sie bereits intensiv in leitenden Positionen unter anderem am Imperial College London und der Britischen Botschaft in Berlin.
Frau Hillemann-Delaney, Welche Rolle spielt der Bereich Internationales für die strategische Ausrichtung einer Universität?
Internationalisierung ist sozusagen Teil der strategischen Weiterentwicklung der Universität. Insofern unterstützen wir alle Kernbereiche der Universität, also Forschung, Lehre und Transfer.
Wie gelingt dieser Spagat?
Zum Beispiel mit einem übergreifenden Konzept. 2024 haben wir an unserer Universität etwa das Konzept „TU Berlin International 2030“ entwickelt, um die Internationalisierung der TU Berlin zu stärken und ihre Position als eine der führenden Technischen Universitäten Europas zu festigen. Es setzt sich zusammen aus vier Leitgedanken: Globale Herausforderungen gemeinsam mit unseren internationalen Partnern zu adressieren, die Exzellenz der Forschung und Lehre an der TU zu fördern, unserer globalen Verantwortung gerecht zu werden und die Freiheit und Sicherheit der Forschung zu erhalten.
Sie sind seit 2017 die Leitung für Internationales an der TU. Was würden Sie sagen, hat sich im Laufe dieser Zeit verändert?
Wir haben leider verstärkt mit geopolitischen Spannungen, Unsicherheiten und Krisen zu tun – Themen, die wir 2017 in diesem Ausmaß noch nicht adressieren mussten. So mussten wir etwa einen Krisenmechanismus aufbauen, für den Fall, dass Mitglieder der TU Berlin im Ausland in Krisen geraten. Gleichzeitig ist das Thema Forschungssicherheit viel stärker geworden und der Bedarf an Beratung dazu, wie man mit internationalen Kooperationen umgehen muss. Das machen wir auch mit der BUA zusammen - in dem Projekt „diplomatic resiliance“. Da ist der Verbund sehr hilfreich.
Inwieweit ergänzen sich die internationalen Strategien der BUA mit denen der TU?
Das neue Berlin Global Scholars Gateway der BUA zum Beispiel, für internationale Studierende und Forscher*innen, fungiert als eine Vernetzung unseres International Campus‘ mit den Welcome Centers der anderen Partnerunis. Und auch die strategischen Partnerschaften der BUA ergänzen sich sehr gut mit denen, die wir als TU Berlin haben. Wir werden jetzt beispielsweise keine strategische Partnerschaft in Großbritannien für die TU Berlin aufsetzen, sondern haben da die Partnerschaft über Oxford.
Im Gegenzug haben wir mit unserer Strategie zur globalen Verantwortung dabei unterstützt, das Berliner Center for Global Engagement (BCGE) zu entwickeln. Dieses erreicht Dinge, die wir als TU nicht alleine machen könnten – zum Beispiel die Entwicklung bezüglich der Frage, wie man auf Augenhöhe kooperiert. Die HU und FU steuern hier viel Wissen insbesondere aus ihren Regionalstudienbereichen bei. Wir führen dafür zwei große DAAD-Projekte mit Partnern des globalen Südens. Und dann hätten wir natürlich auch alleine als TU Berlin die Africa Charter unterzeichnen können, wie die BUA es Ende letzten Jahres getan hat, aber der Impact wäre nicht derselbe gewesen.
Die erste Förderphase der BUA im Rahmen der Exzellenzstrategie neigt sich dem Ende zu. Welche sind aus Ihrer Sicht die besonderen Erfolge und Meilensteine im Bereich Internationalisierung? Was konnten Sie bewegen und was haben Sie noch vor?
Zum einen haben wir die Kooperation mit Oxford mit sehr viel Leben gefüllt. Es gibt sehr viele gemeinsame Forschungsprojekte, wo auch gemeinsam Drittmittel eingeworben wurden. Als die BUA anfing, gab es nur eine Absichtserklärung und seitdem ist einfach unglaublich viel passiert. Ebenso haben wir das BCGE aufgebaut, auch das war auch nur ein Papierentwurf. Und das hat uns auch der International Advisory Board bestätigt: Wir haben damit Neuland betreten, so etwas in der Form gibt es kaum woanders. Auf der anderen Seite haben wir es da auch geschafft, sehr viele sehr spannende Forschungsprojekte zu unterstützen. Das hilft uns dabei, weiterzudenken, wie wir Internationalisierung in der Zukunft gestalten.
Was glauben Sie, was die BUA und Berlin als Forschungsstandort für internationale Studierende und Wissenschaffende attraktiv macht?
Die Studierenden und Forscher*innen erwartet hier in Berlin ein Verbund von vier hervorragenden Forschungs- und Lehrhäusern. Es erwartet sie natürlich auch eine tolle Stadt, die sowohl von der politischen Seite her als auch von der Start-up-Szene, all das ist natürlich auch ein großes Asset. Ich glaube, gerade durch die stärkere Verschränkung der Forschung und schrittweise auch der Lehre an den Häusern haben die Studierenden, die hierherkommen, ein hervorragendes Portfolio, aus dem sie dann auswählen können. Das bekommt man nicht an jedem Standort.

