Boston, GAIN & Berlin: Warum sich das Kommen jedes Jahr lohnt
Auch in diesem Jahr hat Günter M. Ziegler wieder als Sprecher der Berlin University Alliance und Präsident der Freien Universität Berlin auf der Jahrestagung des German Academic International Network (GAIN) in Boston den Exzellenzverbund vertreten.
Wer einmal durch die Flure der GAIN in Boston gegangen ist, erkennt sie sofort wieder: die Mischung aus der Atmosphäre einer Messe und das Gefühl, alte Freunde und Bekannte zu treffen – alle mit denselben Interessen und Zielen. Zwischen Panels, Science Slam und dicht getakteten 1:1-Gesprächen entsteht in wenigen Stunden, was in E-Mails kaum gelingen kann — Vertrauen, gezielter Austausch und eine Message: „Berlin und Deutschland heißen alle willkommen!“ Die GAIN ist die größte deutschsprachige Karrieremesse für die Wissenschaft in Nordamerika; sie bringt Postdocs und Nachwuchsleitungen mit Universitäten, Forschungsorganisationen und Ministerien an einen Tisch – es entsteht ein Netzwerk.
Als Sprecher der Berlin University Alliance und Präsident der Freien Universität Berlin reise ich mit Kolleginnen und Kollegen aus den Berliner Universitätsleitungen und der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege (regelmäßig) an. Wir sind nicht nur da, um zu „rekrutieren“, wir hören zu: Welche Themen bewegen exzellente junge Forschende hier? Welche Rahmenbedingungen brauchen sie, um in Deutschland — und idealerweise in Berlin — den nächsten Schritt erfolgreich zu gehen?
Und wir stecken mitten im politischen Diskurs – die GAIN ist ja mal kritisch als „Klassenreise der deutschen Wissenschaft“ bezeichnet worden, das ist sie, und dafür ist sie wertvoll: Dabei ging es nicht nur um die Situation in den USA, sondern auch um die Förderung und die Verteidigung der Wissenschaften in Deutschland. Im intensiven Gespräch waren wir dabei nicht nur zwischen Universitätsleitungen und den Leitungen der außeruniversitären Forschungseinrichtungen, sondern auch in unterschiedlichsten Runden und 1:1 mit Staatssekretär Rolf-Dieter Jungk vom BMFTR (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt), Mitgliedern des Wissenschaftsausschusses des Bundestags, den Präsident*innen von DFG, DAAD und Humboldt-Stiftung. Und mittendrin auch vier Ministerinnen und Ministern, darunter die Berliner Senatorin für Wissenschaft, Pflege und Gesundheit Ina Czyborra, die Vorsitzende der Wissenschaftsminister*innenkonferenz Bettina Martin, und Minister für Wissenschaft udn Kultur Falko Mohrs aus Niedersachsen - alle offen auch zum Zuhören und für substanzielle Gespräche.
In diesem Jahr war mein Besuch geprägt von…
… dem gemeinsamen Auftritt aus Berlin.
Und dass wir BUA-Universitäten einen gemeinsamen Tisch und gemeinsamen Auftritt auf der Messe hatten, war gut, gemeinsam mit dem Berlin Institute of Health und Einstein-Stiftung, mit der Uni Potsdam in der Nähe, nur die Bundesanstalt für Materialforschung BAM stand leider ein Stück weit entfernt, obwohl die ja auch die superstarken außeruniversitären Forschungsinstitute aus BR50 repräsentiert und genauso für integrierten Wissenschaftsraum Berlin steht …
… Matching statt Messe-Slogans.
Die stärksten Gespräche entstehen dort, wo Karrierewege konkret werden: Herausragende Berliner Forschungsthemen und die Ansprechpartner*innen dafür, Tenure-Track-Transparenz, Laborausstattung und Infrastruktur für exzellente Forschung, Dual-Career Möglichkeiten, Visa- aber auch Kita-Fragen — und ganz pragmatisch: Wann kann es losgehen, worauf bewerbe ich mich, wer begleitet den Übergang? Genau dafür ist die GAIN gemacht: Informationsdichte, Kontaktqualität, schnelle Anschlusswege.
… der Hauptstadt Berlin, die mit Verbundstärke punktet.
Als Berlin University Alliance – bestehend aus FU, HU, TU und der Charité – bündeln wir unsere Stärken: von exzellenter Spitzenforschung über klar strukturierte Karrierewege bis hin zur unmittelbaren Nähe zur klinischen Praxis. Der Exzellenzverbund mit seinen fünf Clustern, die ein außerordentlich breites wissenschaftliches Spektrum abdecken, von liberaler Weltordnung (SCRIPTS) bis zur Immunologie (ImmunoPreCept) stark nachgefragt, unterstreicht eindrucksvoll, wie sich Berlin zu einem führenden und nachhaltig wachsenden Standort für Wissenschaft und Innovation entwickelt.
… Netzwerken, die über diese Messe hinaustragen.
GAIN funktioniert, weil DFG, DAAD und Humboldt-Stiftung ihre Kräfte bündeln — und weil die Community selbst sie trägt: Alumni, PIs (Principle Investigators), Dekanate, und die Teams aus der Wissenschaftsverwaltung. Das macht die Gespräche substanziell, lösungsorientiert und vernetzt die Menschen, die die Verlagerung des Lebensmittelpunktes an einer Berliner Universität auf unterschiedlichen Ebenen begleiten und die Rahmenbedingungen für einen solchen Wechsel schaffen.
Was nehmen wir mit nach Berlin?
Schnellere Brücken zwischen Boston und Berlin: klare Kontaktpunkte für Bewerbungen, so wie unser jüngst erstelltes Global Scholars Gateway (siehe Infokasten oben), Stärkung der Zusammenarbeit mit den relevanten Verwaltungen und Ministerien, aber auch notwendiges Mentoring noch vor der Rückkehr in die Fakultäten.
Ein Wort an die Postdocs: Stellt Euch vor! Die Schritte von einer Email nach Berlin bis zur Einladung zum Seminarvortrag in Berlin und von dort zu den Planungen für eine Postdoc-Stelle oder der Bewerbung auf eine Nachwuchsgruppe oder eine Tenure Track-Professur sind kurz und schnell. Grab the opportunities!
Ganz gleich, ob Ihr Grundlagenforschung oder Translation vorantreibt: Berlin bietet eine einzigartige Dichte an Themen, Akteuren und Instituten, die das Andocken einfach und auch nicht-standardisierte Karrierewege möglich macht — zwischen den Hochschulen und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen der BR50 bis hin zu Start-ups und Gesundheitsorganisationen. Kommt mit uns ins Gespräch; die Türen in den unterschiedlichen Bereichen sind weit geöffnet.
Die GAIN ist kein Schaulaufen. Sie ist ein Arbeitsraum — und einer, der Mut macht gemeinsam die Zukunft der Forschung mitzugestalten.

