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Gabriela und Kolleg*innen beim Cupping auf dem 4. Terroir-Wettbewerb der Vulkanregion von Minas Gerais, Brasilien, November 2024. | Credit: Gabriela Schneider

Gabriela und Kolleg*innen beim Cupping auf dem 4. Terroir-Wettbewerb der Vulkanregion von Minas Gerais, Brasilien, November 2024. | Credit: Gabriela Schneider

Wenn Qualität so wichtig ist – wieso bleibt so wenig vom Gewinn der Kaffeeindustrie in den Anbauländern?

Trotz der Aufwertung von Qualität und Herkunft bleibt die finanzielle Wertschöpfung ungleich verteilt. 2008 zeigten Daten, dass der globale Kaffeemarkt jährlich über 55 Milliarden US-Dollar umsetzte – aber nur 13 % davon in den Erzeugerländern verblieben. Ich vermute, dass dieser Anteil heute noch geringer ist.

Der Großteil der Wertschöpfung wird von Röstereien, Spezialitäten-Cafés und Akteuren in Nischenmärkten des globalen Nordens abgeschöpft, die durch Produktdifferenzierung und Markenbildung den Preis in die Höhe treiben. Die Schweiz, Deutschland und Italien machen heute 95 Prozent der weltweiten Exporte industriell verarbeiteter Kaffeeprodukte aus – obwohl sie keine eigenen Plantagen haben. Sie importieren grüne Bohnen, verarbeiten sie und exportieren das hochpreisige Endprodukt.

All dies führt zu dem, was wir das Kaffee-Paradoxon nennen: Farmer*innen werden auf Verpackungen gefeiert und durch Herkunftsgeschichten inszeniert – doch sie erhalten nur einen sehr kleinen Teil des Wertes. Die sensorische Raffinesse, die im Spezialitätenmarkt gefeiert wird, führt selten zu einem fairen Einkommen für die Landwirt*innen. Diese müssen oft teure Entscheidungen, z. B. über Varietät oder Aufbereitung, Jahre im Voraus treffen – und das unter unsicheren Marktbedingungen. Risiken und Lasten werden zurück an die Produzent*innen delegiert – ein Muster, das an die koloniale Geschichte des Kaffeehandels erinnert.