Kunst trifft Wissenschaft
Was ist deine Idee für die großen Transformationen unserer Zeit? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Ideenwettbewerbs „Kunst trifft Wissenschaft“ der Berlin University Alliance – und zur Langen Nacht der Wissenschaften wurde sie beantwortet: In einer Ausstellung und einem Talk präsentierten die Gewinner*innen des Wettbewerbs ihre Projekte und ihre künstlerische Interpretation.
Das Unsichtbare sichtbar machen
Zum Einstieg erläuterte Claudio Rimmele, Gründer der Agentur Observism und Kreativdirektor der Kampagne DAS OFFENE WISSENSLABOR, das visuelle Konzept der Kampagne. Durch die Platzierung von übergroßen Forschungsobjekten in der Stadt solle die Aufmerksamkeit auf die Wissenschaft gelenkt werden. Außerdem gab er Einblicke in die intensive Zusammenarbeit mit den Künstler*innen NAOWAO, Liam Schnell, Robin Lochmann und Hannelore Braisch, die im Laufe der Kampagne wissenschaftliche Ideen in 3D-Kunstwerke übersetzten – sichtbar im Stadtraum, online und nun auch bei der LNDW.
Die Projekte im Überblick
Fünf Gewinnerprojekte aus den Kategorien gesellschaftlicher Zusammenhalt, globale Gesundheit, Klima & Wasser, Quantentechnologien sowie Innovation & Transfer zeigten die Vielfalt aktueller Forschung in Berlin – und wie künstlerische Perspektiven neue Zugänge schaffen können.
- Tiziana Guerra (Innovation & Transfer) stellte ihre „Zeigerpflanzen“ vor: gentechnisch veränderte Pflanzen, die bei Pilzbefall zu leuchten beginnen – ein Frühwarnsystem für Gewächshäuser. Besonders gefallen habe ihr am Wettbewerb, dass sie ihre Forschung einmal jenseits wissenschaftlicher Genauigkeit präsentieren konnte.
- Marco Stucki (Quantentechnologien) wurde von seinem Kollegen Maarten van der Hoeven vertreten, der ein Modell der sogenannten „Sawfish Cavity“ mitbrachte. Er erklärte, wie in ihrer Forschung Diamantstrukturen zur Erzeugung, Manipulation und Weiterleitung von Qubits genutzt werden.
- Nico Marquardt (Global Health) sprach über seine Arbeit zur Senkung der Müttersterblichkeit – ein zentrales Ziel der Vereinten Nationen. Er betonte, wie wichtig es sei, bestehende KI-Systeme in konkrete Anwendungen zu bringen. Politische Entscheidungen, wie der Rückzug der USA aus der WHO, würden die Zielerreichung spürbar erschweren.
- Silvan Hornstein (Social Cohesion) entwickelt eine App gegen Einsamkeit bei jungen Menschen. Er hob hervor, dass psychische Belastungen weit verbreitet sind – jede zweite Person erlebt sie im Laufe ihres Lebens. Weil Einsamkeit jedoch keine anerkannte Diagnose ist, bleibt vielen der Zugang zu Unterstützung verwehrt, weswegen Angebote wie seine App platoniq.health so wichtig seien.
- Irina Engelhardt (Klima & Wasser), die bereits am Open Space beteiligt war, ist Koordinatorin des Projekts SpreeWasser:N, das Strategien für eine nachhaltige Wassernutzung in Berlin und Brandenburg entwickelt. Ziel ist es, Werkzeuge und konkrete Lösungen für eine gerechte und zukunftsfähige Verteilung der Ressource Wasser bereitzustellen.
Der Talk zeigte: Wenn Wissenschaft offen kommuniziert und mit Kunst in Dialog tritt, entsteht Raum für neue Perspektiven – und für Menschen, die sonst vielleicht keinen Zugang zur Forschung finden.