Graduiertenschulen, Graduiertenkollegs und Promotionsprogramme

Perfekte Mischung für eine exzellente Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Doktorandin der Berlin Graduate School of Ancient Studies im Museum für Islamische Kunst.

Doktorandin der Berlin Graduate School of Ancient Studies im Museum für Islamische Kunst.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Etwa 100 Graduiertenschulen, Doktorandenprogramme und Graduiertenkollegs gibt es in Berlin. Sie bieten die Möglichkeit zur strukturierten Promotion – neben dem in Deutschland lange Zeit klassischen individuellen Weg etwa über eine Doktorandenstelle bei einer Professorin oder einem Professor zu promovieren. Viele dieser Promotionsprogramme verbinden gezielt die Stärken verschiedener Einrichtungen. So können sich etwa die Schwerpunkte von Fächern an zwei oder sogar drei der Universitäten gut ergänzen – wodurch die Doktorandinnen und Doktoranden die Möglichkeit haben, sich ideale Curricula zusammenzustellen.

Zunehmende Anforderungen an Interdisziplinarität

Die Grundlage des Graduiertenkollegs Global Intellectual History ist beispielsweise die sich ergänzende Ausrichtung von Fächerschwerpunkten an der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin, die beide das Kolleg tragen: Während an der Freien Universität unter anderem Globalgeschichte, Geschichte Asiens, Geschichte der islamischen Länder oder die Geschichte Lateinamerikas gelehrt und erforscht wird, sind an der Humboldt-Universität die Geschichte Afrikas, Südosteuropas sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte Lehr- und Forschungsschwerpunkte.

Auch die Berlin Graduate School of Ancient Studies (BerGSAS) wird gemeinsam von Freier Universität und Humboldt-Universität getragen und ist sowohl an der Dahlem Research School (DRS) als auch an der Humboldt Graduate School (HGS) akkreditiert. Die Graduiertenschule wurde vom Exzellenzcluster Topoi initiiert, 2011 gegründet und ist am Berliner Antike-Kolleg angesiedelt. Alle Topoi-Doktorandinnen und Doktoranden werden über ihre Mitarbeit in Forschungsprojekten des Clusters hinaus in einem der strukturierten Programme der Graduiertenschule ausgebildet. Neben den beiden Universitäten sind – wie bei Topoi auch – auch vier außeruniversitäre Einrichtungen eingebunden: die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Deutsche Archäologische Institut, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Mit derzeit fünf verschiedenen Promotionsprogrammen trägt die BerGSAS sowohl den jeweiligen fachlichen Bedingungen Rechnung als auch den zunehmenden Anforderungen an Interdisziplinarität. Ihre exzellente internationale Vernetzung und die Kooperation mit weltweit renommierten Einrichtungen im Bereich der Antike-Forschung ermöglichen den Promovierenden Auslandsaufenthalte und die Ausrichtung gemeinsamer Konferenzen.

Auf die sich ergänzenden Stärken verschiedener Einrichtungen setzt auch die Graduiertenausbildung des Zentrums für jüdische Studien Berlin-Brandenburg. In dem Verbundprojekt sind sowohl Freie Universität, Humboldt-Universität und Technische Universität Berlin beteiligt sowie die Universität Potsdam, die Europa-Universität Viadrina, das Abraham Geiger Kolleg und das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien.

Breite Qualifikation durch doppelte Betreuung

In den Natur- und Lebenswissenschaften werden Doktorandinnen und Doktoranden ebenfalls gemeinsam ausgebildet. Ein besonders gutes Beispiel hierfür ist das Graduiertenkolleg 1589 „Verarbeitung sensorischer Informationen in neuronalen Systemen“. In diesem Kolleg, das von Technischer Universität Berlin, Humboldt-Universität und Freier Universität gemeinsam getragen wird und an dem auch Forscherinnen und Forscher der Charité beteiligt sind, arbeiten Expertinnen und Experten für Maschinenlernen oder Künstliche Intelligenz mit Neurowissenschaftlern zusammen. Absolventinnen und Absolventen lernen von Anfang an interdisziplinäres Arbeiten in einem hochinnovativen Feld.

Die Doktorandinnen und Doktoranden des Exzellenzclusters UniCat sind in der Berlin International Graduate School of Natural Sciences and Engineering institutionell verbunden. Auch diese Graduiertenschule wird von Freier Universität, Humboldt-Universität und der Technischen Universität Berlin gemeinsam getragen, und die Promovierenden werden ermutigt, zwei Betreuungspersonen aus zwei verschiedenen Institutionen (und Disziplinen) zu wählen, um sich breiter zu qualifizieren.

Die Doktorandenausbildung im IRI Life Sciences, einem Zusammenschluss von Humboldt-Universität, Charité und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, ist ebenfalls einrichtungsübergreifend organisiert. „IRI“ steht dabei für „Integrative Research Institute“: Aus Mitteln des Zukunftskonzepts der Humboldt-Universität werden Institute, die fachübergreifend zu besonders relevanten und zukunftsträchtigen Themen im Bereich der Lebenswissenschaften, der Mensch-Umwelt-Interaktion arbeiten, von der Hochschule gefördert. Auch an Graduiertenschulen außeruniversitärer Einrichtungen wie den sogenannten International Max Planck Research Schools der Max-Planck-Gesellschaft wirken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Verbundpartner gemeinsam mit – um gezielt Forschungsexpertise einzubringen.

Ein gemeinsames internationales Projekt von Charité und Freier Universität Berlin ist das Graduiertenprogramm Myograd mit Standorten in Paris und Berlin. Die Promovierenden beschäftigen sich mit Erkrankungen des Muskelsystems und können einen von beiden Universitäten vergebenen Doktortitel – der Freien Universität Berlin und einer der drei Pariser Partneruniversitäten – erwerben.