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Künstliche Intelligenz an Hochschulen – Führungsaufgabe zwischen Chance und Herausforderung

Spannendes Expert*innengespräch mit Kenza Ait Si Abbou und Prof. Dr. Fatma Deniz

News vom 02.02.2026

Am 20. Januar 2026 kamen rund 60 Führungskräfte von FU, HU, TU und Charité an der Technischen Universität Berlin zusammen, um über ein Thema zu diskutieren, das die Hochschullandschaft zunehmend prägt: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Mit dabei waren: Kenza Ait Si Abbou, international gefragte Autorin, Speakerin und Tech Managerin für Künstliche Intelligenz und digitale Transformation, und Prof. Dr. Fatma Deniz, Vizepräsidentin der TU Berlin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie Fachgebietsleitung Sprache und Kommunikation in Biologischen und Künstlichen Systemen. Moderiert wurde das Gespräch von Prof. Dr. Rudolf Kerschreiter, aus dem Vorstand der Berlin Leadership Academy.

KI ist bereits heute fester Bestandteil des Hochschulalltags, wenn auch in sehr unterschiedlichen Reifegraden. Gleich zu Beginn der Diskussion wurde deutlich, dass KI sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Fatma Deniz berichtete von der Nutzung generativer KI für Recherchen in den Neurowissenschaften, während Kenza Ait Si Abbou Einblicke gab, wie KI-Tools die tägliche Wissens- und Organisationsarbeit erleichtern können. Ob beim Strukturieren von Texten, Zusammenfassen von Informationen, oder bei einfachen und wiederkehrenden Tätigkeiten - KI kann Arbeitsprozesse erleichtern, ersetzt jedoch weder fachliche Expertise noch wissenschaftliches Urteilsvermögen. Ihre Nutzung erfordert kontinuierliche Überprüfung, Einordnung und Verantwortung durch den Menschen.

Datenschutz und Compliance sind eine Herausforderung

Ein zentrales Thema der Diskussion war der Umgang mit Datenschutz, Compliance und rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Diskussionsteilnehmenden waren sich einig: pauschale Verbote von KI-Anwendungen sind keine nachhaltige Lösung. Stattdessen braucht es klar definierte User Cases, Pilotprojekte und datenschutzkonforme technische Umgebungen, die gemeinsam mit Datenschutzbeauftragten und Personalräten entwickelt werden. Erfahrungen aus Hochschulen und Wirtschaft zeigen: Wird KI institutionell bereitgestellt und begleitet, lassen sich Risiken deutlich reduzieren – im Vergleich zur unkontrollierten Schattennutzung externer Tools.

Kommunikation als Schlüssel, kritisches Denken als zentrale Kompetenz

Wie kann KI-Kompetenz systematisch aufgebaut werden? Kommunikation spielt dabei eine Schlüsselrolle. Schulungen, Workshops, Hackathons und offene Austauschformate können helfen, Verständnis, Sicherheit und kritische Distanz im Umgang mit KI zu fördern. Führungskräfte haben dabei eine besondere Verantwortung. Durch eigenes, reflektiertes Handeln und klare Erwartungen – etwa das konsequente Einfordern zur Prüfung von Fakten und Quellen – können sie eine verantwortungsvolle Nutzung innerhalb ihrer Teams fördern.

Ein wiederkehrendes Thema war die Gefahr der unkritischen Übernahme von KI-generierten Inhalten. Generative Systeme tendieren dazu, bestehende Meinungen zu bestätigen, was Vertrauen in die Modelle schafft, zugleich aber Biases verstärken kann. Umso wichtiger sei es, kritisches Denken als zentrale Kompetenz zu stärken – bei Studierenden ebenso wie bei Mitarbeitenden. Vertrauen und Kontrolle sind dabei keine Gegensätze, sondern sich ergänzende Elemente guter Governance: Kreativität und Innovation brauchen Freiräume, während klare Rollen, Transparenz und Compliance Orientierung und Sicherheit schaffen.

KI als Co-Intelligence: Unterstützung statt Entscheidung

Mit Blick auf die kommenden Jahre wurde deutlich, dass KI-Systeme zunehmend tiefe Domänenexpertise entwickeln werden. Doch menschliche Kernkompetenzen wie Urteilsfähigkeit, Verantwortung, Kontextverständnis und Führung bleiben unersetzbar. Hochschulen stehen vor der Aufgabe, AI Literacy, kritisches Denken und interdisziplinäres Lernen strukturell zu verankern. Ziel sei es, KI als Co-Intelligence zu begreifen: als Partner, der unterstützt, aber nicht entscheidet – und dessen Ergebnisse immer menschlicher Bewertung bedürfen.

Fazit: KI als strategische Führungsaufgabe

Die Veranstaltung zeigte eindrücklich: Der Einsatz von KI an Hochschulen ist vor allem eine strategische Führungs- und Organisationsaufgabe. Für die Universitäten könnte darin eine Chance bestehen, KI nicht nur technologisch, sondern auch kulturell, rechtlich und didaktisch verantwortungsvoll zu gestalten – und so Forschung, Lehre und Verwaltung zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Das Team der Berlin Leadership Academy bedankt sich bei Kenza Ait Si Abbou und Fatma Deniz für ihre gewinnbringenden Beiträge sowie all unseren Gästen für den angeregten Austausch.

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