Die 100 wichtigsten Köpfe der Berliner Wissenschaft. Folge 5: Sie legen sich mit den Mächtigen an – manche mussten dafür fliehen
02.10.2026
Weltweit gerät die Wissenschaft zunehmend unter Druck. Besonders viel Mut brauchen Forschende, die politisch verfolgt werden, als Whistleblower Risiken eingehen oder an gesellschaftlich sensiblen Themen arbeiten.
- Andrés Olarte (Technische Universität Berlin): Als Berater beim kolumbianischen Ölkonzern „Ecopetrol“ fand er Belege, dass sein Arbeitgeber massive Umweltverschmutzungen verursachte und teils verheimlichte. Olarte sicherte die Daten, flog auf, musste sich einen neuen Job suchen. Und die Folgen wurden krasser – den Whistleblower erreichten anonyme Morddrohungen. Dank Bestnoten und Auslandsstudium in Cambridge (UK) wurde er in einem Master für Innovationsmanagement an der TU aufgenommen. Heute promoviert er dort zur Frage, wie Regeln und Anreize das Verhalten beeinflussen, ob in Unternehmen oder in Sachen Klimaschutz.
- Mohammad Dawood Rahimi (Freie Universität Berlin): Menschen mit ADHS-Diagnose zu beschreiben, ist schwierig. Zu individuell wirkt sich die Aufmerksamkeitsstörung aus. Das macht es schwer, herauszufinden, was in diesen Gehirnen anders läuft. Der Neurowissenschaftler meint, die Symptome seien Folge einer instabilen Energieversorgung der Nervenzellen, die für kognitive Kontrolle zuständig sind. ADHS sei EDHS, eine „Energiedefizit- und Hyperaktivitätsstörung“ – dies zu belegen, wird viel Forschung brauchen. Für Rahimi, der einst als Geflüchteter enorme Hürden überwand, mehr Ansporn als Hindernis.
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Dr. Zafer Yilmaz (Alice Salomon Hochschule Berlin / Humboldt-Universität zu Berlin): Vor knapp zehn Jahren musste er aus der Türkei fliehen, nachdem er sich den „Academics for Peace“ angeschlossen hatte, die sich für eine friedliche Einigung mit den Kurden einsetzten. Seitdem hat sich Yilmaz als Stimme des Exils einen Namen gemacht. Der Politikwissenschaftler forscht zu Themen wie Populismus, autoritäre Herrschaft und die Umgestaltung des türkischen Staates.
- Dr. Hacı Çevik (Humboldt-Universität zu Berlin): Der Politikwissenschaftler untersucht, wie sich die Identität von kurdischen Migranten verändert, die aus Zentralanatolien nach Europa kommen, aber auch, wie syrische Geflüchtete in der Türkei benachteiligt werden. Seine Arbeiten beleuchten die Mechanismen von Diskriminierung, Nationalismus und kollektiver Identität. 2026 hat er den Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz bekommen. Çevik wird als Postdoktorand von der Einstein-Stiftung gefördert.
- Lisa Niendorf-Schlüter (Humboldt-Universität zu Berlin): Ausbeutung, Machtmissbrauch, Leistungsdruck: Auch in der Wissenschaft werden diese Themen gern verschwiegen. Mit „UNIversal gescheitert“ hat die Erziehungswissenschaftlerin dazu ein Buch geschrieben, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat. Ihre Mission: die Arbeitsbedingungen an Hochschulen gründlich zu verbessern.
Sie alle wurden heute im Tagesspiegel (02.10.2026) im Rahmen der Serie „Die 100 wichtigsten Köpfe der Wissenschaft“ vorgestellt. Mehr im Tagesspiegel (T+).

