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Die 100 wichtigsten Köpfe der Berliner Wissenschaft. Folge 2: Sie helfen der Technologie auf die Sprünge

29.09.2026

Wissenschaft klingt manchmal nach Tüftelei für Spezialisten. Doch was Forschende heute im Labor und am Rechner entwickeln, kann morgen unseren Alltag verändern: von Netzen für die Quantenkommunikation über energiesparende Materialien bis hin zu neuen Krebsmedikamenten – made in Germany.

  • Prof. Dr. Christian Hackenberger (Humboldt-Universität zu Berlin / Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie): Sein Labor schuf zusammen mit Münchner Forschern Technologien für sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs). Diese steuern Krebszellen an und laden dort gezielt einen Wirkstoff ab. Seine Ausgründung Tubulis legte dazu 2025 erste klinische Daten gegen Eierstockkrebs vor. Jetzt folgte die Übernahme durch den US-Konzern Gilead für einen Rekordbetrag.
  • Prof. Dr. Wojciech Samek (Technische Universität Berlin / Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut): Der mehrfach ausgezeichnete Informatiker möchte KI „erklärbar“ machen und verstehen, auf welche Konzepte sie ihre Vorhersagen stützt. Samek zählt zu den international einflussreichsten Forschern seines Faches.
  • Prof. Dr. Patrick Hostert und Dr. Dirk Pflugmacher (beide Humboldt-Universität zu Berlin): Die beiden Berliner Geographen wurden in das Landsat-Science-Team der Nasa berufen. Dort sollen sie die Zukunft der Erdbeobachtung mitgestalten und Nasa- und Esa-Daten verknüpfen, für präzisere Analysen von Klimaextremen, Umweltveränderungen und Landnutzung weltweit.
  • Prof. Dr. Malte Spielmann (Charité - Universitätsmedizin Berlin): Der Humangenetiker arbeitet daran, kostengünstige Erbgutanalysen in der Charité einführen, um Krebs oder seltene Erbleiden besser zu diagnostizieren. Dabei will er sich auf die modernsten Verfahren der Genomsequenzierung stützen. Sein Ziel: einmal die gesamte Region zu versorgen.
  • Prof. Dr. Annette Künkele-Langer (Charité - Universitätsmedizin Berlin / Berlin Center for Advanced Therapies): Seit die Kinderonkologin am Children’s Research Institute in Seattle erlebte, wie todkranke Kinder erstmals mit einer speziellen Immuntherapie geheilt wurden, arbeitet sie unermüdlich daran, dass solche CAR-T-Zelltherapien auch hier hergestellt werden.
  • Prof. Dr. Katharina Franke (Freie Universität Berlin): Im Exzellenzcluster Center for Chiral Electronics möchte die Nanophysikerin neuartige Materialien für ultraschnelle und verlustarme Elektronik entwickeln und nebenher Europa unabhängiger in der Chipindustrie machen. 
  • Prof. Dr. Anna Pappa (Technische Universität Berlin): Angewandte Quantenforschung wie die von Pappa könnte den Weg für die nächste Generation des Internets ebnen. Mithilfe einzelner Lichtteilchen will sie kryptografische Schlüssel sicher zwischen Kommunikationspartnern übermitteln: So lassen sich Abhörversuche erkennen. 
  • Prof. Dr. Stephanie Reich (Freie Universität Berlin): Seit 2025 leitet die Physikerin den Sonderforschungsbereich „Heterostrukturen aus Molekülen und zweidimensionalen Materialien“. Zwischen Kristallblättchen, die nur aus einer einzigen Atomschicht bestehen, legt Reich Moleküle als Füllung. So entstehen Materialien, die Strom präzise lenken, auf Licht reagieren oder exotische Quantenzustände zeigen. Früh hat sie das Rätsel gelöst, warum Graphit unter dem Laser widersprüchliche Signale liefert, und machte Kohlenstoff für die Nanotechnik berechenbar. Mögliche Folgen ihrer Arbeit: bessere Batterien, sauberere Chemie. 
  • Prof. Dr. Gavril Farkas (Humboldt-Universität zu Berlin): Was er macht, ist höhere Mathematik. Seine Kurven und Modulräume werden etwa in der algebraischen Geometrie und der theoretischen Physik angewandt. Sie helfen zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. 2026 erhielt er eine Einstein-Professur und zusätzliche Mittel für seine bahnbrechende Forschung, die er auch im Exzellenzcluster MATH+ vorantreibt.
  • Prof. Alexander I. Bobenko (Technische Universität Berlin): Der Mathematiker hat, gemeinsam mit zwei Kollegen, eine seit 150 Jahren offene Frage beantwortet: ob eine geschlossene Fläche eindeutig festgelegt ist, wenn die mittlere Krümmung und alle ihre Abstände bekannt sind. Die Antwort ist nein – die Forscher konstruierten zwei knotige Figuren, die entfernt an einen Donut erinnern und sich nicht durch Drehen, Spiegeln oder Verschieben ineinander überführen lassen, obwohl Krümmung und Abstände übereinstimmen.

Sie alle wurden heute im Tagesspiegel (29.09.2026) im Rahmen der Serie „Die 100 wichtigsten Köpfe der Wissenschaft“ vorgestellt. Mehr im Tagesspiegel (T+).

Credit: Berlin University Alliance

Credit: Berlin University Alliance