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Zukunftsfähige Ernährungssysteme für eine krisenfeste Gesellschaft

Ein durch die Berlin University Alliance gefördertes Projekt untersucht Innovationen für die Nahrungsmittelproduktion – auch in Krisenzeiten

News vom 22.03.2022

Der Überfall auf die Ukraine zieht rapide Preisanstiege nicht nur bei der Energie nach sich, sondern auch bei den Preisen für Lebensmittel. Die Ukraine ist weltweit eine der wichtigsten Agrarproduzentinnen – sie erzeugt 11 Prozent der Weltproduktion an Weizen und mehr als 50 Prozent an Sonnenblumenöl. Das Einfrieren der Handelsbeziehungen vieler Staaten zu Russland und die Unterbrechung von Wertschöpfungsketten für Dünge- und Futtermittel führen zu weiteren Verknappungen und Preissteigerungen. Der Krieg führt damit auch zu einer Krise der Ernährungssysteme in einer globalisierten Welt. Viele Beobachter*innen fürchten massive Auswirkungen auf die globale Ernährungssicherheit. Vor allem arme Länder, die auf Lebensmittelimporte angewiesen sind, wird dies vermutlich vor große Probleme stellen. Und auch hierzulande werden die steigenden Preise für Lebensmittel Menschen mit geringem Einkommen ungleich stärker treffen.

In dem von der Berlin University Alliance gefördertem Projekt „Social Cohesion, food and health. Inclusive Food System Transitions“ werden Innovationsprozesse analysiert und begleitet, die Ernährungssysteme sozial inklusiver und nachhaltiger machen sollen. Die Wissenschaftler*innen an der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin beschäftigen sich unter anderem damit, wie Ernährungssysteme regionalisiert werden können. „Brandenburger Nahrungsmittel können einen wesentlich größeren Anteil an der regionalen Versorgung haben, als das bisher der Fall ist“, sagt Prof. Dr. Jürgen Zentek von der Freien Universität Berlin, der die Voraussetzungen und Wirkungen von regionalisierten Wertschöpfungsketten erforscht.

In einer Fallstudie werden auch neuartige Lebensmittel wie künstliches Fleisch oder pflanzenbasierte Proteine untersucht. „Auch diese Nahrungsmittel können dazu beitragen, durch den Krieg unterbrochene Lieferketten zu ersetzen und uns mehr Optionen für die Lebensmittelversorgung zu bieten. Zudem tragen sie zum Klimaschutz bei“, sagt die Leiterin der Fallstudie, Prof. Dr. Cornelia Rauh von der Technischen Universität Berlin. „Wir dürfen aber auch die sozialen Innovationen wie neue Organisationsstrukturen und Verhaltensweisen nicht aus den Augen verlieren, die für einen verantwortungsvolleren Umgang mit knappen Ressourcen unverzichtbar sind“, ergänzt Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer, Co-Sprecherin des Forschungsverbunds. So wird in einer der Fallstudien des Projekts eine Bürgeraktiengesellschaft als soziale Innovation untersucht, die den Aufbau regionaler Bio-Wertschöpfungsketten finanziell unterstützt.

„Die Transformation der Ernährungssysteme ist ebenso dringlich wie die Umstellung der Energiesysteme – wir müssen die Versorgung sichern, ohne kurzsichtig die Nachhaltigkeit und den Klimaschutz aus den Augen zu verlieren”, so die Einschätzung des Projektkoordinators Prof. Dr. Peter Feindt von der Humboldt-Universität zu Berlin. Ernährungssysteme müssen resilienter, nachhaltiger und inklusiver werden. Gute und gesunde Ernährung für alle – auch für künftige Generationen – ist ein wesentlicher Baustein des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dies ist eine wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Aufgabe, die durch den Krieg in der Ukraine noch dringlicher wird.

Weitere Informationen auf der Projekthomepage: www.ifst-berlin.de

Wissenschaftlicher Kontakt

Die Berlin University Alliance

Die Berlin University Alliance ist der Verbund der drei Berliner Universitäten Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin für die gemeinsame Gestaltung von Wissenschaft in Berlin. Die vier Partnerinnen haben sich zusammengeschlossen, um den Wissenschaftsstandort Berlin zu einem gemeinsamen Forschungsraum weiterzuentwickeln, der zur internationalen Spitze zählt. Im Zentrum der Zusammenarbeit stehen dabei die gemeinsame Erforschung großer gesellschaftlicher Herausforderungen, die Stärkung des Austausches mit der Gesellschaft, die Nachwuchsförderung, Fragen der Qualität und Wertigkeit von Forschung sowie übergreifende Vorhaben in Forschungsinfrastruktur, Lehre, Diversität, Chancengerechtigkeit und Internationalisierung. Die Berlin University Alliance wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Land Berlin im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern.

Gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Pressekontakt

Suhana Reddy
Leitung der Kommunikation der Berlin University Alliance
E-Mail: suhana.reddy@berlin-university-alliance.de 

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