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Innovative Open Science-Methoden für mehr Forschungsqualität

Die Berlin University Alliance fördert fünf Verbundprojekte

News vom 11.06.2021

Was macht gute Forschung aus? Wie lässt sich die Qualität der Forschung und ihrer Ergebnisse bewerten und nachhaltig sicher stellen? Wie kann verantwortungsbewusste Forschung offen und transparent gemacht werden? Mit diesen Fragen beschäftigen sich fünf Projekte, die im Rahmen der Ausschreibung „Forschungsqualität und Open Science“ der Berlin University Alliance (BUA) gefördert werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln dabei aus verschiedenen Disziplinen und basierend auf einem forschenden Ansatz konkrete Maßnahmen, die sich der Sicherung von Forschungsqualität und der Öffnung der Wissenschaft widmen – etwa aus der Medizin, der Rechtswissenschaft, der Meteorologie sowie der Mathematik und Informatik. Die Projekte werden mit rund 1,2 Millionen Euro über eine Dauer von zwei Jahren gefördert. Förderbeginn der ersten Projekte erfolgt schnellstmöglich. Die Ausschreibung ist Teil des Schwerpunktbereichs Advancing Research Quality and Value der Berlin University Alliance, mit dem der Verbund die Expertise über Forschungsqualität im Berliner Wissenschaftsraum ausbaut.

„Die eingereichten Anträge sind sehr divers und insgesamt von hoher fachlicher Qualität. Dazu gehört insbesondere, dass sie zu einem besseren Verständnis des Konzepts der Forschungsqualität beitragen und helfen können, diese nachhaltig und praktisch an den Einrichtungen der Verbundpartnerinnen der Berlin University Alliance und darüber hinaus zu verankern“, sagt Prof. Dr. Ulrich Dirnagl von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Sprecher des Steering Committees Advancing Research Quality and Value. „Da Open Research für uns von zentraler Bedeutung ist, fand die Begutachtung der Anträge in einem Open Peer Review statt. Damit wollen wir den Entscheidungsprozess für alle Beteiligten transparent und nachvollziehbar gestalten.“

Die Projekte im Einzelnen

BUA Open Science Dashboards – Entwicklung von Indikatoren und Screening Tools für prototypische Umsetzung, Dr. Evgeny Bobrov, Charité – Universitätsmedizin Berlin/QUEST Center, Maxi Kindling, Open-Access-Büro Berlin, Freie Universität Berlin

Je mehr sich Open Science-Praktiken durchsetzen, desto wichtiger wird auch ein systematisches Monitoring. Dazu fehlen jedoch etablierte Indikatoren, die als Kriterien für ein solches Monitoring dienen. Das Projekt baut auf der Expertise der Charité im biomedizinischen Open Science-Bereich auf und entwickelt Indikatoren für ausgewählte weitere Disziplinen sowie Werkzeuge zur (semi-)automatisierten Erhebung der Kennzahlen. Diese Indikatoren werden in Pilotprojekten gemeinsam mit wissenschaftlichen Communities erarbeitet und später als Dashboard-Prototypen verfügbar gemacht. Parallel soll das bereits bestehende, derzeit interne Charité-Dashboard um Indikatoren der Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten ('FAIR data') erweitert werden.

Open Access in den Rechtswissenschaften – Strukturwandel zu einer partizipativ-qualitätsgesicherten Publikationskultur, Prof. Dr. Johanna Wolff, Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Christoph Möllers, Humboldt-Universität zu Berlin

Open Access-Publikationen spielen in den Rechtswissenschaften eine nur untergeordnete Rolle. Dabei profitieren sie bereits jetzt von einem öffentlichen Diskurs, den insbesondere juristische Wissenschaftsblogs eingeleitet haben. Das Forschungsprojekt untersucht mit einem rechtssoziologischen Ansatz die bestehenden Einstellungen und die fachkulturellen Barrieren für eine offene und interdisziplinäre Rechtswissenschaft im Hinblick auf Open Access. Darauf aufbauend sollen intra- und interdisziplinäre Lösungsansätze wie Richtlinien und Verfahrensregeln als Rahmenbedingungen für eine partizipativ-qualitätsgesicherte Publikationskultur entwickelt werden.

PANNE – Publikationsbias-Analyse der Nichtveröffentlichung und Nichtrezeption von Ergebnissen im disziplinären Vergleich, Dr. Helen Niemeyer, Freie Universität Berlin, Dr. Felicitas Heßelmann, Humboldt-Universität zu Berlin

Die Veröffentlichung von vollständigen, hochwertigen Forschungsergebnissen ist im Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnisproduktion von zentraler Bedeutung. Das Wissenschaftssystem schafft allerdings mitunter Anreize für Veröffentlichungen, die nicht auf der Forschungsqualität beruhen, sondern signifikante Ergebnisse erbringen oder dem Zeitgeist entsprechen. Das Forschungsprojekt untersucht das Verhältnis von Forschungsqualität, Publizierbarkeit, Rezeptionschancen und wissenschaftlicher Reputation in einem mixed-methods Ansatz für die Fächer Psychologie und Geschichte. Im Zuge dessen werden partizipative Methoden entwickelt, um einen solchen Publikationsbias bei Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern zu reduzieren.

Open Make. Towards open and FAIR hardware, Prof. Dr.-Ing. Roland Jochem, Technische Universität Berlin, Prof. Matthew Larkum, Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Tim Landgraf, Freie Universität Berlin

Während der Corona-Pandemie hat sich die Bedeutung von Open Hardware gezeigt, als 3D-gedruckte Gesichtsvisiere für medizinisches Fachpersonal eine wichtige Produktionslücke füllen konnten. Das Konzept der Open Hardware wendet die Prinzipien von frei verwendbarer, quellenoffener Software auf Produkte an und ermöglicht damit deren Nachbau und Qualitätskontrolle. Mit einem interdisziplinären Ansatz entwickelt das Projekt neue Methoden, Richtlinien und Standards, um Open Hardware im akademischen Umfeld zu untersuchen und zu publizieren.

Open Urban Climate Observatory Berlin for environmental research and applications, Dr. Fred Meier, Technische Universität Berlin, Dr. Marco Otto, Technische Universität Berlin, Prof. Dr. Henning Rust, Freie Universität Berlin

Berlin ist mittlerweile eine der am stärksten bevölkerten Städte in der EU. Mit dem städtischen Wachstum verstärken sich auch negative klimatische Effekte, die die Gesundheit der Stadtbevölkerung beeinträchtigen und durch die Klimakrise verstärkt werden. Um die räumlich stark ausdifferenzierten stadtklimatischen Variablen (zum Beispiel Lufttemperatur und Starkregen) besser zu erfassen, implementiert das Projekt Wetterbeobachtungen nach dem Citizen Science-Konzept in ein bestehendes wissenschaftliches Messnetz, dem Urban Climate Observatory Berlin (UCO Berlin). Die dafür verwendeten Messstationen (MESSI) sind eigens an der Freien Universität Berlin in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin für den Einsatz innerhalb von Citizen Science-Projekten entwickelt und getestet worden. Die 100 MESSI werden von Stadtbewohnerinnen und -bewohnern insbesondere Kleingärtnern und -gärtnerinnen aufgebaut und unterhalten. Die gewonnenen Daten werden gemeinsam mittels eines Co-Creation-Ansatzes zu bestimmten wissenschaftlichen Fragestellungen ausgewertet und veröffentlicht. Die erhobenen atmosphärischen Daten stehen anschließend über das offene UCO Berlin frei zur Verfügung.

Die Berlin University Alliance

Die Berlin University Alliance ist der Verbund der drei Berliner Universitäten Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin für die gemeinsame Gestaltung von Wissenschaft in Berlin. Die vier Partnerinnen haben sich zusammengeschlossen, um den Wissenschaftsstandort Berlin zu einem gemeinsamen Forschungsraum weiterzuentwickeln, der zur internationalen Spitze zählt. Im Zentrum der Zusammenarbeit stehen dabei die gemeinsame Erforschung großer gesellschaftlicher Herausforderungen, die Stärkung des Austausches mit der Gesellschaft, die Nachwuchsförderung, Fragen der Qualität und Wertigkeit von Forschung sowie übergreifende Vorhaben in Forschungsinfrastruktur, Lehre, Diversität, Chancengerechtigkeit und Internationalisierung. Die Berlin University Alliance wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Land Berlin im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern.

Gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Pressekontakt
Hans-Christoph Keller, kommissarischer Pressesprecher der Berlin University Alliance und Pressesprecher der Humboldt-Universität zu Berlin
E-Mail: medien@berlin-university-alliance.de 

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