Vier neue Graduiertenkollegs für Berlin

Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt neue Promotionsprogramme an Freier Universität, Humboldt-Universität, Technischer Universität und Charité – Universitätsmedizin Berlin

News vom 12.11.2018

Insgesamt drei Graduiertenkollegs und ein Internationales Graduiertenkolleg können ab April 2019 in Berlin ihre Arbeit aufnehmen. Die neuen Einrichtungen werden sowohl in den Natur- als auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften eingerichtet und umfassen ein großes thematisches Spektrum. Sie werden zunächst bis 2023 gefördert. So stehen historische und gegenwärtige Perspektiven auf die Zukunft in Lateinamerika auf der Forschungsagenda eines Internationalen Graduiertenkollegs an der Freien Universität Berlin, ein neues Graduiertenkolleg an der Technischen Universität Berlin will die komplexe Struktur von Peptiden entschlüsseln. Die Dynamiken von Demographie, demokratischen Prozessen und Public Policies stehen im Mittelpunkt eines Projekts der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit der Hertie School of Governance. An der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die gemeinsame medizinische Fakultät von Freier Universität und Humboldt-Universität, wurde ein neues Graduiertenkolleg zu Computermethoden in der Krebsforschung bewilligt.

Sie sind vier von insgesamt 15 Einrichtungen, über deren Förderung der Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) positiv entschied, wie die DFG am Montag in Bonn mitteilte. Insgesamt werden die Graduiertenkollegs mit Fördermitteln in Höhe von rund 71 Millionen Euro unterstützt. Ein seit 2014 bestehendes Graduiertenkolleg in der Wissenschaftsgeschichte des Altertums an der Humboldt-Universität zu Berlin kann seine Arbeit fortsetzten.

Die Projekte im Einzelnen

Das Internationale Graduiertenkolleg „Temporalities of Future in Latin America: Dynamics of Aspiration and Anticipation“ am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin zielt auf eine neue Perspektive zur Erforschung von Temporalitäten der Zukunft innerhalb der Kultur- und Sozialwissenschaften. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich damit, wie Menschen in verschiedenen Epochen des kolonialen, postkolonialen und gegenwärtigen Lateinamerika mit den Herausforderungen der Zukunft umgegangen sind oder immer noch umgehen. Das Internationale Graduiertenkolleg ist das bundesweit einzige, das mit Einrichtungen in Mexiko kooperiert. Eingebunden sind auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin. Sprecher des Kollegs ist Stefan Rinke, Professor für die Geschichte Lateinamerikas an der Freien Universität.

In der Biochemie und der Wirkstoffforschung spielen natürliche und synthetische Peptide eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung neuer Medikamente. Maßgeblich bestimmt werden die vielfältigen Funktionen der Peptide durch ihre teils komplexe Molekülstruktur und räumliche Faltung, deren Charakterisierung essenzieller Bestandteil der Forschungen des Graduiertenkollegs „Bioactive Peptides – Innovative Aspects of Synthesis and Biosynthesis“ der Technischen Universität Berlin sein wird. Die Analyse der Biosynthesemechanismen und möglicher Signalübertragungswege stellen weitere Herausforderungen der modernen Peptidforschung dar. Diese komplexen Fragestellungen bilden das zentrale Thema des neuen Graduiertenkollegs. Sprecher des Kollegs, an dem auch Forscherinnen und Forscher von Freier Universität und Humboldt-Universität beteiligt sind, ist Roderich Süssmuth, Professor für Biologische Chemie an der Technischen Universität Berlin.

Thema des Graduiertenkollegs „Die Dynamiken von Demographie, demokratischen Prozessen und Public Policies (DYNAMICS)“ in Sprecherschaft der Humboldt-Universität zu Berlin sind die tiefgreifenden demographischen Veränderungen, die derzeit westliche Gesellschaften erfassen – wie Migration, veränderte Familienstrukturen und Alterung der Bevölkerung – sowie deren politische Folgen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen systematisch erforschen, wie demographische Veränderungen demokratische Prozesse beeinflussen, wie politische Entscheidungen zur Bewältigung der demographischen Herausforderungen getroffen werden und wie Public Policies die Familiendynamik, die Pflege im Alter, den Renteneintritt und die Integration von Migrantinnen und Migranten beeinflussen. Sprecherin ist Heike Klüver, Professorin für Politisches Verhalten im Vergleich an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Forscherinnen und Forscher des neuen Graduiertenkollegs „Computermethoden für personalisierte Therapien in der Onkologie“ der Charité – Universitätsmedizin Berlin als gemeinsame medizinische Fakultät von Freier Universität und Humboldt-Universität arbeiten an der Schnittstelle zwischen Bioinformatik, Molekularbiologie und klinischer Onkologie. In der Krebsforschung werden rechnergestützte Methoden immer wichtiger, da immer größere Datensätze in biomedizinisches und klinisches Wissen überführt werden müssen. Im Kolleg sollen mit rechnergestützten Verfahren aus molekularen Mustern einzelner Patienten individuelle Therapien abgeleitet werden. Sprecher ist Nils Blüthgen, Professor für Computermodellierung in der Medizin an der Charité.

Das altertumswissenschaftliche Graduiertenkolleg „Philosophie, Wissenschaft und die Wissenschaften“ wurde 2014 bewilligt und nun um weitere vier Jahre verlängert. Im Mittelpunkt steht der Dialog zwischen verschiedenen Formen und Modellen des Wissens im antiken griechischen, römischen und arabischen Denken. Sprecher ist Professor Jonathan Beere von der Humboldt-Universität zu Berlin.

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