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Inklusive Wissensproduktion mit dem Globalen Süden

Eine Podiumsdiskussion des Berlin Center for Global Engagement beschäftigte sich mit gleichberechtigten Kooperationen zwischen dem „Globalen Norden“ und „Süden“

05.03.2021

Rund 80 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, um ihre Fragen zu den aktuellen Entwicklungen in der Internationalisierung der Hochschullandschaft zu stellen.

Rund 80 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, um ihre Fragen zu den aktuellen Entwicklungen in der Internationalisierung der Hochschullandschaft zu stellen.
Bildquelle: Bernhard Wannenmacher

„Debating the future of inclusive knowledge production with the 'Global South'“ war der Titel einer Podiumsdiskussion, die das Berlin Center for Global Engagement (BCGE) an der Berlin University Alliance (BUA) Ende Februar als virtuelle Veranstaltung organisiert hat. Die gut besuchte Podiumsdiskussion fand im Rahmen der Lunch-time Debates “Watersheds of Internationalization” der Freien Universität Berlin statt, die als Debattenreihe Entwicklungen der Internationalisierung der Wissenschaftslandschaft beleuchtet. Rund 80 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, um ihre Fragen zu den aktuellen Entwicklungen in der Internationalisierung der Hochschullandschaft zu stellen.

Zur Diskussion um inklusive Internationalisierung und Wissensproduktion mit Forschenden aus dem „Globalen Süden“ waren Professor Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), sowie Eloísa Martín, Professorin für Soziologie an der United Arab Emirates University und Vizepräsidentin der International Sociological Association (ISA) eingeladen. Die Diskussion moderierte Professorin Verena Blechinger-Talcott, Vize-Präsidentin für Internationales der Freien Universität Berlin.

Mehr Diversität in Entscheidungsgremien, Förderorganisationen sowie in der Wissenschaftslandschaft allgemein

In ihrem Eingangsstatement ging Eloísa Martín auf die Frage der Entscheidungsstrukturen im internationalen Hochschulkontext ein. Sie betonte, dass die Akteure und Akteurinnen aus dem „Globalen Norden“ die Agenda in wissenschaftlichen Kooperationen entscheiden würden und plädierte für mehr Diversität in Entscheidungsgremien, Förderorganisationen sowie in der Wissenschaftslandschaft allgemein. Um globalen Herausforderungen zu begegnen, sei eine gemeinsame Wissensproduktion auch unter Einbeziehung von nicht-akademischen lokalen Communities unerlässlich. Die hierarchischen Beziehungen zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen des „Globalen Nordens“ und „Südens“ müssten verstärkt in den Blick genommen werden.

Joybrato Mukherjee stellte fest, dass die Pandemie die Produktion von digitalem Wissen beschleunigt habe, und wies darauf hin, dass digitale Angebote teilweise auch Gruppen zugutekämen, die bisher beim Zugang zu Hochschulbildung benachteiligt waren. Des Weiteren zeige die Pandemie, dass Hochschulen statt auf viele internationale Partnerschaften eher auf ausgewählte, aber intensive Kooperationen setzen und damit resiliente Netzwerke aufbauen sollten. Bezüglich der Ausgestaltung dieser Netzwerke wies Eloísa Martín darauf hin, dass die Partnerschaften auf Augenhöhe stattfinden müssen und dass auch die Kooperationsbeteiligten aus dem „Globalen Süden“ in finanzielle Entscheidungen einbezogen werden sollten.

Auch über die Rolle Chinas bei der Organisation von internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit wurde gesprochen. Eloísa Martín hob hervor, dass China ein starkes universitäres Bildungssystem aufbaue, dass wie das US-amerikanische System an Universitäts-Rankings und Exzellenzgedanken orientiert sei. Joybrato Mukherjee brachte den Gedanken ein, dass die Spitzenposition von europäischer und US-amerikanischer Forschung im internationalen Vergleich nicht selbstverständlich sei. Er warb dafür, Kooperationen mit afrikanischen Ländern stärker zu fokussieren, und zwar nicht aus einer kolonial-geprägten Perspektive, sondern mit dem Bewusstsein, dass Europa und seinem geografischen Nachbarkontinent ähnliche Herausforderungen bevorstünden.

Was sind die wichtigsten Maßnahmen, um Kooperationen auf Augenhöhe zu ermöglichen?

Abschließend wurden die Teilnehmenden um ihre Meinung gebeten: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Maßnahmen, um Kooperationen von „Globalem Norden“ und „Süden“ auf Augenhöhe zu ermöglichen? Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich für höhere Fördermittel für institutionelle Partnerschaften sowie themenspezifische Forschungsnetzwerke unter Einbindung verschiedener Institutionen aus. Aber auch langfristig geförderte Professuren für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem „Globalen Süden“ und gemeinsame Lehrprogramme wurden genannt. Joybrato Mukherjee sah diese Einschätzungen als Bestätigung der DAAD-Programme und betonte, dass feste Strukturen wichtig seien für die Internationalisierung, aber dass die einzelnen Menschen in der Hochschullandschaft entscheidend seien und die Internationalisierung nach vorne bringen würden.

Das Veranstaltungsteam des BCGE freute sich insbesondere über die lebendige und inspirierende Debatte, die tiefe Einblicke in die Chancen und Herausforderungen zur Wissensproduktion in und mit dem „Globalen Süden“ gegeben hat.