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„Wir haben den Stein ins Rollen gebracht“

Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin, ist neue Sprecherin der Berlin University Alliance. Sie folgt auf Günter M. Ziegler, der das Amt zwei Jahre lang innehatte.

13.11.2020

Der erste Wechsel der Sprecherschaft nach zwei Jahren und ein Jahr Exzellenzförderung der Berlin University Alliance – ein Rück- und Ausblick.

Der erste Wechsel der Sprecherschaft nach zwei Jahren und ein Jahr Exzellenzförderung der Berlin University Alliance – ein Rück- und Ausblick.
Bildquelle: Pixabay

Der erste Wechsel nach zwei Jahren an der Spitze der Berlin University Alliance: Am 13. November 2020 übergibt Professor Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin, die Position des Sprechers der Berlin University Alliance an die Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin, Professorin Sabine Kunst. Sie ist dann prima inter pares, die Erste unter Gleichen im sogenannten Board of Directors, dem Leitungsgremium der Berlin University Alliance. Ihm gehören außerdem Professor Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin, und Professor Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin, an. Die Position der Sprecherin oder des Sprechers rotiert alle zwei Jahre.

„In den vergangenen beiden Jahren ist der Verbund auf eine grundsolide Basis gestellt worden. Ich freue mich, dass ich nun darauf aufbauen kann“, sagt Sabine Kunst. Aktuell stelle die Corona-Pandemie Universitäten vor ungekannte Herausforderungen. Die Zusammenarbeit im Verbund sei aber nicht trotz, sondern gerade wegen der Pandemie besonders wichtig. „Die gegenwärtige Krise zeigt, wie sehr wir Kooperation über Grenzen hinweg brauchen“, sagt die neue Sprecherin. „Das gilt für die Wissenschaft in ganz besonderem Maße. Hier leistet die Berlin University Alliance essenzielle Arbeit.“

Zweite Grand Challenge Initiative startet im Dezember

Um die Forschung zu gesellschaftlich besonders wichtigen und aktuellen Themen zu fördern, hat der Verbund sogenannte Grand Challenge Initiatives gewählt: Große Zukunftsthemen, die eine Zusammenarbeit zwischen Institutionen und verschiedenen Disziplinen erfordern. Die erste Grand Challenge Initiative befasst sich mit sozialem Zusammenhalt (Social Cohesion); sechs Forschungsprojekte werden dafür mit mehr als sieben Millionen Euro Fördersumme für einen Zeitraum von drei Jahren ausgestattet. Das Ziel ist es, auszuloten, was unsere Gesellschaft zusammenhält und wie auch zukünftig ein gelingendes Zusammenleben möglich ist. Die Themen sind dabei sehr vielfältig: Wie können Ernährungssysteme sozial inklusiv sein? Wie tragen Museen zu sozialer Kohäsion bei? Und welche Rolle spielt das Recht für sozialen Zusammenhalt?

Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin, ist neue Sprecherin der Berlin University Alliance.

Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin, ist neue Sprecherin der Berlin University Alliance.
Bildquelle: Matthias Heyde

Im Frühjahr 2021 startet voraussichtlich die Ausschreibung für die zweite Grand Challenge Initiative: Globale Gesundheit (Global Health) – ein Thema, das nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie große Aufmerksamkeit erlangt hat. Darüber hinaus widmet sich Global Health weiteren Herausforderungen, die vor Landesgrenzen keinen Halt machen; die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen dann Fragen zur weltweiten Gesundheitsversorgung oder zum Klimawandel, zur Ernährung oder dem Einfluss des Stadtlebens auf die Gesundheit. Gleichzeitig stärkt die Berlin University Alliance die bestehenden internationalen Verknüpfungen der Berliner Forschungslandschaft. Eine aktuell bis Mitte Dezember laufende Ausschreibung mit der National University of Singapore zur Förderung gemeinsamer Forschungsprojekte im Bereich Global Health unterstützt den Wissensaustausch und ermöglicht die Einbindung internationaler Expertise.

Bereits Ende 2017 wurde eine enge Kooperation mit der University of Oxford vereinbart. Nach mehreren Ausschreibungen und einem Fotowettbewerb für Studierende der Partnereinrichtungen wurde nun das OX|BER Centre for Advanced Studies gegründet. In diesem Rahmen haben Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinschaftlich mit Kolleginnen und Kollegen in Oxford mehrjährige Forschungsprojekte vorgeschlagen, die sich mit sozialem Zusammenhalt auseinandersetzen – und ebenfalls zur Erforschung der Grand Challenge Initiative beitragen. Die nächste Ausschreibungsrunde wird sich schwerpunktmäßig auf das Thema Global Health fokussieren und auch hier wieder die Themen der Grand Challenge Initiative aufgreifen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Oxford und Berlin, die Möglichkeit geben, gemeinsam zu arbeiten.

Der Verbund baut ein weltweites Netzwerk auf

Die strategische Kooperation der Berlin University Alliance mit der University of Melbourne widmet sich dem Auf- und Ausbau von Strukturen in der gemeinsamen Graduiertenausbildung. Ein besonderer Fokus liegt auf Forschungsprojekten, die gezielt (angehende) Promovierende einbinden und den Aufbau solcher Strukturen unterstützen – sei es durch die Einrichtung gemeinsamer Nachwuchsforschergruppen, die Etablierung von internationalen Graduiertenprogrammen oder die gemeinsame Betreuung von Doktorarbeiten. Promotionen, die im wahrsten Sinne des Wortes den Globus umspannen, sollen die Forschungslandschaften der australischen und der europäischen Metropole zusammenwachsen lassen.

Die aktuelle Corona-Pandemie zeigt einmal mehr, dass exzellente Forschung auf grenzüberschreitender Kooperation beruht. Dass internationale Zusammenarbeit sich nicht auf den Kreis führender Industrienationen beschränken kann, sondern wirklich global sein muss, ist die Überzeugung, die dem Berlin Center for Global Engagement (BCGE) zugrunde liegt. Als Auftakt für seine Aktivitäten hat das BCGE ein Förderprogramm aufgelegt, um die wissenschaftlichen Kontakte der Berliner Forschungslandschaft zum globalen Süden zu intensivieren. 17 Verbundprojekte werden in diesem Rahmen seit September gefördert.

Studierende an Forschung beteiligen, Experimente im Wissensaustausch wagen

Mehr als 100.000 Studierende sind an den vier Mitgliedern des Berliner Verbunds eingeschrieben. Die neuen Impulse für die Spitzenforschung durch die neuen Fördermöglichkeiten sollen auch ihnen zugute kommen – und das nicht nur indirekt dadurch, dass es kluge Köpfe nach Berlin zieht: Im kommenden Jahr startet ein Programm, das Forschung und Lehre noch enger miteinander verknüpft, indem es Studierende früh in den Forschungsprozess miteinbezieht. Im Student Research Opportunities Programx, kurz StuROPx, können Studierende in sogenannten X-Tutorials eigenständig oder gemeinsam mit Nachwuchsforschenden in Student Research Groups Forschungsfragen nachgehen – und dabei erste reale Forschungserfahrungen sammeln. StuROPx organisiert zusätzlich jährlich die Berlin Conference for Student Research, auf der die Programmteilnehmenden ihre Ergebnisse präsentieren und sich vernetzen können.

Prof. Dr. Günter M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.

Prof. Dr. Günter M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.
Bildquelle: Kay Herschelmann

Zu den Zielen der Berlin University Alliance gehört auch Wissensaustausch mit Politik, Kultur und Gesellschaft. Knowledge Exchange versteht sich als Dialog, denn Expertise gibt es nicht nur an Universitäten. Auch die Expertise und das Erfahrungswissen jeder und jedes einzelnen ist gefragt, um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Wie dieses Wissen in Forschungsprozesse einfließen kann und die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik, Unternehmen, Kunst und Bürgerinnen und Bürgern neu gestaltet werden kann, wird in der neuen Förderlinie der Berlin University Alliance „Experimentallabore für Wissenschaftskommunikation“ erprobt. Es ist ein Ideenwettbewerb, neue Wege zu finden, Forschung verständlich, zugänglich und erlebbar zu machen, mit neuen Zielgruppen in Austausch zu treten – und dabei das volle Repertoire der klassischen und der neuen Medien zu nutzen.

Eine neue Form der Zusammenarbeit nun auch in neuer Rechtsform

Das Land Berlin hat für den Verbund eine Kooperationsplattform in Form einer Körperschaft öffentlichen Rechts geschaffen – ein Schritt, den der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, als einen „Quantensprung“ auf dem „gemeinsamen Weg zum integrierten Forschungsraum“ bezeichnet hat. Die neue Kooperationsplattform schafft rechtliche Klarheit und macht die Zusammenarbeit entscheidend einfacher, denn bisher hatte jedes gemeinsame Vorhaben neuer Vereinbarungen und Verträge zwischen den vier Institutionen bedurft. Außerdem können künftig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im Rahmen der Berlin University Alliance berlinweit kooperieren, beispielsweise Labore der anderen Verbundpartnerinnen unkomplizierter nutzen.

Günter M. Ziegler sieht die Berlin University Alliance auf einem guten Weg. „Vier so große Institutionen zusammenzubringen, ist kein leichtes Unterfangen, aber wir haben den Stein ins Rollen gebracht und auch die Pandemie konnte uns nicht aufhalten. Wir sind sehr stolz auf das Geleistete, das nur möglich war dank des kooperativen Miteinanders in unserem Verbund“, sagt der Mathematiker. „Die Integration der Berliner Forschungslandschaft geht nun in eine besonders spannende Phase“, ergänzt Sabine Kunst. „Diesen Prozess zu gestalten, ist eine Herausforderung, auf die ich mich freue.“