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„Wir haben viel positives, begeistertes Feedback bekommen“

Die Tagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik fand wegen des Coronavirus online statt. Wolfgang Deicke, Mitglied des Organisationsteams, berichtet im Interview über die Erfahrungen.

08.04.2020

Die 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik wurde über Nacht zur Onlineveranstaltung umgestaltet.

Die 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik wurde über Nacht zur Onlineveranstaltung umgestaltet.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

„Hochschullehre als Gemeinschaftsaufgabe: miteinander-kooperativ-integrativ“ – unter diesem Motto wollte die 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik vom 10. bis 13. März an der Freien Universität Berlin tagen. Der Gemeinschaftsgedanke wurde sehr intensiv gelebt, allerdings etwas anders als gedacht: Die Tagung wurde über Nacht zur Onlineveranstaltung umgestaltet, um Risiken für die Konferenzteilnehmenden in Zeiten von Corona zu reduzieren. Der Großteil der Vorträge, der Symposien sowie der Impulsbeiträge aus Workshops und Diskurswerkstätten fand live über die AdobeConnect-Plattform des Deutschen Forschungsnetzes statt. Die Tagung wurde von der Berlin University Alliance in Kooperation mit dem Berliner Zentrum für Hochschullehre ausgerichtet.

Ein Interview mit Wolfgang Deicke, Leiter des bologna.labs der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied des Organisationsteams:

Wolfgang Deicke, Leiter des bologna.labs der Humboldt-Universität zu Berlin

Wolfgang Deicke, Leiter des bologna.labs der Humboldt-Universität zu Berlin
Bildquelle: Andrea Riedel

Herr Deicke, wann hat das Team denn gemerkt beziehungsweise entschieden, dass aus der Präsenz- eine Onlineveranstaltung wird?

Genaugenommen war das etwa eine Woche vor Konferenzbeginn. Wir haben uns natürlich schon vorher mit der Thematik auseinandergesetzt. Anfang Januar erreichten uns erste Anfragen aus den USA, ob die Tagung stattfinden werde. Dort war bereits ein Reiseverbot verhängt worden. Einen Monat später kamen ähnliche Anfragen aus der Schweiz. Die Absagen häuften sich. Wir haben damit gerechnet, dass einige nicht dabei sein werden und haben uns ein Szenario überlegt, das Präsenz- und begleitende Onlineveranstaltungen beinhaltete. Aber zum Schluss war das Risiko einer Präsenztagung dann einfach zu hoch und ganz absagen wollten wir auf keinen Fall.

Wie kann man sich die Onlinekonferenz bildlich vorstellen? Saßen alle Teilnehmenden alleine vor ihren Geräten?

Ja, genau so. Es fanden – wie auf einer Präsenzveranstaltung – mehrere Formate gleichzeitig statt, Keynotes, Vortragssessions, Workshops. Die Vortragenden saßen meist alleine oder zu mehreren in ihren Büros und haben gesprochen, die anderen haben live zugehört und im Anschluss ihre Fragen und Kommentare per Chat an die Vortragenden geschickt. Manche Onlineveranstaltungen hatten zehn, andere bis zu 50 Teilnehmende. In allen virtuellen Räumen standen erfahrene Onlinemoderatoren bereit, die die Diskussionen in größeren Gruppen gesteuert haben.

Was hat das neue Format aus der Veranstaltung gemacht?

Auch wenn es vorrangig eine Tagung von und für Hochschuldidaktikerinnen und Hochschuldidaktiker war, für die meisten war eine reine Onlinetagung neu. Die Diskussionen waren etwas verhaltener, aber auch rücksichtsvoller, als sie es sonst sind. Es fehlte auch einiges, beispielsweise die Gespräche, die sonst nebenbei in den Pausen laufen. Die Technik hat nicht immer einwandfrei funktioniert, manche kamen nicht in die virtuellen Räume rein. Dafür konnte, wer wollte, auf drei verschiedenen Ebenen lernen: Zum einen auf der Ebene der fachlichen Inhalte, die auf jeder Konferenz im Mittelpunkt stehen; zum zweiten auf der Ebene konkreter Erfahrungen im Umgang mit Technik und Medien in der Onlinelehre; und schließlich auf der Metaebene eines Lernexperiments unter Extrembedingungen. Unsere Evaluation der Tagung läuft noch, aber insgesamt haben wir viel positives, begeistertes Feedback bekommen. Das Format wurde breit unterstützt.

Wie ging es Ihnen persönlich damit?

Ich glaube, mir wird der Lernprozess ganz besonders lange in Erinnerung bleiben. Am meisten beeindruckt hat mich die Bereitschaft der Community, sich auf dieses Experiment einzulassen. Angefangen vom Organisationsteam der Berlin University Alliance über unsere studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ohne die fantastische Unterstützung der studentischen Mitarbeitenden und der hochschuldidaktischen Community wäre die Tagung nicht möglich gewesen. Es ist uns innerhalb von 48 Stunden gelungen, erfahrene E-Moderatorinnen und -Moderatoren für 55 Onlinesitzungen zu rekrutieren. Ich glaube, dass viele diese Tagung trotz der physischen Distanz als besonders intensiv erlebt haben.

Denken Sie, dass dieses und ähnliche Beispiele die Digitalisierung in der Lehre vorantreiben werden?

Ich kann mir das gut vorstellen, dass unsere Erfahrungen gerade innerhalb der Einrichtungen der Berlin University Alliance dazu führen werden, dass manche Bedenken, die sonst ins Feld geführt werden, leichter überwunden werden können und wir gemeinsam die Digitalisierung der Lehre verstärkt angehen werden.

Das Interview führte Ljiljana Nikolic


Das Interview wurde zuerst in den Nachrichten der Humboldt-Universität zu Berlin am 23. März 2020 veröffentlicht.