DiGENet Network Meeting (23.06.2023)
Im Rahmen des 9. DiGENet-Netzwerktreffens wurde der Fokus auf die Diskrepanz zwischen dem institutionellen Diskurs über Vielfalt und den in der Wissenschaft gelebten Realitäten von Ausgrenzung, struktureller Gewalt und epistemischer Marginalisierung gelegt. In einer eindrucksvollen Keynote präsentierte Prof. Zintombizethu Matebeni (Universität Fort Hare, Südafrika) das Konzept des "Nichts" als Ort sowohl der Ausgrenzung als auch des radikalen Potenzials und kritisierte den symbolischen Charakter von Inklusionsmaßnahmen an historisch weißen Institutionen. Die Teilnehmer*innen wurden durch ihre persönlichen Erfahrungen mit systemischer Vernachlässigung, institutionellem Rassismus und der Belastung schwarzer queerer Wissenschaftler*innen zu dringenden Überlegungen über die Kosten von Diversitätsarbeit veranlasst, insbesondere im Kontext der Internationalisierung. Es lässt sich festhalten, dass die Reformierung der Institution anstelle der Ausgeschlossenen zum obersten Gebot künftiger Strategien zu machen ist. Im zweiten Teil der Veranstaltung präsentierten die Junior Research Groups von DiGENet empirische Projekte, die sich mit akademischer Ungleichheit befassen. Dr. Aline Oloff (TU Berlin) forderte kooperative, datengestützte Diversitätsmaßnahmen, die auf institutioneller Rechenschaftspflicht und nicht auf individueller Verantwortung basieren, während sich Prof. Dr. Mirjam Fischer (HU/Frankfurt) mit den vielfältigen Hindernissen für akademische Exzellenz befasste. Dr. Pichit Buspavanich (Charité) präsentierte Maßnahmen zur Optimierung der Betreuungsverhältnisse im Kontext medizinischer Forschung. Im Rahmen eines Best-Practice-Panels wurden Diversitätsstrategien bei NeuroCure, SCRIPTS und der Charité präsentiert und dabei der strukturelle und kulturelle Wandel innerhalb der Allianz betont.
