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Weltweit vernetzte Forschung

Ein Kennzeichen von Forschung und Lehre an den drei großen Berliner Universitäten und der Charité ist ihre Internationalität

Carlos Echeverria stammt aus Mexiko und forscht am Institut für Mathematik an der Technischen Universität Berlin.

Carlos Echeverria stammt aus Mexiko und forscht am Institut für Mathematik an der Technischen Universität Berlin.
Bildquelle: Christian Kielmann

Berlin hat in den letzten Jahren mit seinen reichen akademischen Programmen und exzellenten Ressourcen so viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt angezogen wie keine andere Forschungsregion in Deutschland. Auch die Zahl der internationalen Studierenden ist kontinuierlich gewachsen. 

Forschungsverbünde arbeiten disziplinübergreifend zusammen und sind weltweit vernetzt. Strategische Partnerschaften oder Profilpartnerschaften mit Universitäten auf der ganzen Welt ermöglichen eine zielgerichtete Zusammenarbeit in gemeinsamen Forschungsprojekten oder im Bereich Nachwuchsförderung.

Mitglieder der vier Partnerinnen in der Berlin University Alliance – ob Studierende, Forschende oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung – sind ihrerseits im Rahmen von Austauschprogrammen und unterschiedlichen Kooperationsformaten zu Gast an renommierten Einrichtungen auf allen Kontinenten. So entstehen neue Ideen durch Austausch und Vernetzung – die Diversität internationaler Perspektiven ist grundlegender Bestandteil der Forschungsexzellenz in Berlin. 

Anziehungspunkt für Forschende aus aller Welt 

Berlin ist die beliebteste Stadt für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland. Das zeigen die Rankings der beiden großen Förderorganisationen, der Alexander von Humboldt-Stiftung, die den Aufenthalt von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt an deutschen Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen fördert, sowie des Deutschen Akademischen Austauschdiensts, der neben Akademikern auch Studierende unterstützt. Die Freie Universität, die Humboldt-Universität, die Technische Universität Berlin sowie die Charité – Universitätsmedizin Berlin nehmen in beiden Ranglisten jeweils Spitzenplätze ein.

Freie Universität und Humboldt-Universität belegen im Humboldt-Ranking für die Jahre 2012 bis 2016 Platz 1 und 2, die Technische Universität Berlin befindet sich auf Platz 7: An der Freien Universität werden pro 100 Professorinnen und Professoren 124 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland aufgenommen, an der Humboldt-Universität 93 – das sind mehr als doppelt so viele wie das Gros der Hochschulen in Deutschland. Auch die Charité, die in dieser Aufstellung unter sonstigen Einrichtungen gelistet wird, liegt im Bereich Lebenswissenschaften auf Platz 4. 

Gekommen, um zu bleiben

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt schätzen Berlin nicht nur für einen temporären Forschungsaufenthalt. Immer mehr Professorinnen und Professoren, die an den drei großen Berliner Universitäten oder der Charité forschen und lehren haben einen internationalen Hintergrund: 2016 waren es an Humboldt-Universität 14 Prozent, an der Freien Universität 12 Prozent sowie 10 Prozent an der Technischen Universität Berlin und 7 Prozent an der Charité. Das sind im Berliner Durchschnitt mehr als an anderen Universitäten in Deutschland.

Nachwuchs aus aller Welt 

Besonders attraktiv sind die großen Berliner Universitäten und die Charité für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Rund ein Drittel aller Promotionsstudierenden an allen vier Einrichtungen stammen aus dem Ausland, bei der Freien Universität Berlin sind es 34 Prozent, an Humboldt-Universität und Technischer Universität Berlin sind jeweils 32 Prozent internationale Doktorandinnen und Doktoranden immatrikuliert, an der Charité sind es 27 Prozent.

Freie Universität, Technische Universität Berlin und Humboldt-Universität konnten zwischen 2008 und 2018 die Zahl der Promovierenden aus dem Ausland immer weiter ausbauen. Bei der Freien Universität hat sich ihr Anteil sogar beinahe verdreifacht. 

Unter den Postdoktoranden und sonstigen wissenschaftlichen Mitarbeitern an den Universitäten liegt der Anteil im Durchschnitt an allen Einrichtungen bei rund 20 Prozent. 

Hierzu tragen auch erfolgreiche Programme wie das Fellowship der Dahlem Research School aus Mitteln der Europäischen Union bei, das in den insgesamt sieben Jahren Laufzeit rund 100 promovierten internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Entwicklung eines eigenen Forschungsprojekts an der Freien Universität in einem der großen, interdisziplinären und interinstitutionellen Forschungsverbünde ermöglicht. Gleichzeitig leisten auch die Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Beitrag zur internationalen Vernetzung der Einrichtungen.

Studierende überwinden Grenzen 

In den Studiengängen an den großen Berliner Universitäten und der Charité steigt der Anteil der internationalen Studierenden kontinuierlich und liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. Ihr Anteil nimmt mit steigender Qualifikation zu: Während im Bachelor 10 bis 15 Prozent aus dem Ausland kommen, sind es in den konsekutiven Masterstudiengängen bereits über 20 Prozent, an der Technische Universität Berlin sogar 24 Prozent. Hierzu trägt nicht zuletzt das attraktive Lehrangebot mit einer Reihe englischsprachiger Studiengänge bei.

Auch die Mobilität der Berliner Studierenden hat in den letzten Jahren weiter zugenommen. Die Humboldt-Universität, Technische Universität Berlin und Freie Universität zählen zu Deutschlands Universitäten, an denen am meisten Studentinnen und Studenten mit Hilfe von Erasmus und über einen Direktaustausch einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen. Auch der DAAD förderte zahlreiche Auslandsaufenthalte von Studierenden aus Berlin. 

In Berlin ansässige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind ebenfalls besonders viel im Ausland unterwegs. Nach Angaben von deutschen Förderinstitutionen für 2014 waren die Freie Universität und die Humboldt-Universität diejenigen Einrichtungen in Deutschland, die die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Ausland entsendeten.

Vernetzung in Forschungsverbünden

Internationale Kooperationen sind auch ein herausstechendes Merkmal der großen Forschungsverbünde aus der Exzellenzstrategie. Der Exzellenzcuster SCRIPTS der Freien Universität hat institutionelle Partnerschaften mit Universitäten in allen Weltregionen entwickelt, um die weltweiten Herausforderungen für liberale Demokratie zu untersuchen. Akademische Kooperationspartner des Clusters sitzen beispielsweise im Nahen Osten an der Bilkent University in Ankara, genauso wie an der südasiatischen Jawaharlal Nehru University in Neu Dehli oder der UC Berkeley

Auch der Exzellenzcluster UniSysCat der Technischen Universität arbeitet mit einer Vielzahl internationaler Partner zusammen, um über Ländergrenzen hinweg die Katalyseforschung voran zutreiben. Zu den Kooperationspartnern gehören neben weiteren das Catalan Institute for Catalysis (ICIQ) im spanischen Tarragona, das Kaist Consortium for Catalysis in Korea oder die Stanford University in den Vereinigten Staaten von Amerika. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs profitiert von den akademischen Netzwerk der Verbundpartnerinnen, in dem er etwa im Rahmen von Promotionsprogrammen oder Graduiertenschulen für einen bestimmten Zeitraum an einer der Partnereinrichtungen forscht. 

Universitätspartnerschaften 

Über oftmals bereits seit mehreren Jahrzehnten bestehende Universitätspartnerschaften hinaus haben die Freie Universität, die Humboldt-Universität, die Technische Universität Berlin und die Charité zu ausgewählten Hochschulen besonders intensive, strategische Partnerschaften aufgebaut. Diese Partnerschaften fördern den Austausch zwischen Universitätsmitgliedern auf allen Ebenen durch verschiedene Formate; sie erleichtern die Entwicklung von gemeinsamen Forschungsprojekten ebenso wie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses – etwa durch gemeinsame Promotionsprogramme.

Während die Humboldt-Universität mit der Princeton University, der National University of Singapore und der Universidade de São Paulo kooperiert, hat die Freie Universitätderzeit insgesamt sechs strategische Partnerschaften. Hierzu zählen: die Hebrew University of Jerusalem, die Peking University, die Saint Petersburg State University, die University of British Columbia, die University of California, Berkeley sowie die Universität Zürich. Die Technische Universität Berlin hat mit ihren Partnerschaften traditionell einen Fokus auf Osteuropa, mit der Technischen Universität Wien, der St. Petersburg State Polytechnical University, der Warsaw University of Technology und der Norwegian University of Science and Technology. In den letzten Jahren sind die Politecnico di Milano und die UTS in Sydney als nicht-europäischer Partner dazu gekommen. 

Die Charité ist Gründungsmitglied in der European University Hospital Alliance. Ziel dieses Verbundes ist ein reger Austausch von Handlungsmodellen und Personal aller Bereiche und Ebenen, um europaweite Exzellenzstandards in der Behandlung von Patientinnen und Patienten, in der medizinischen Forschung, in Innovation und Technologietransfer sowie in Ausbildung und Studium zu setzen. Dabei sieht sich die Allianz auch als Berater für Stakeholder aus der EU-Politik, Nichtregierungsorganisationen, Industrie und Wissenschaft. Partner in der Allianz sind die Assistance Publique Hôpiteaux de Paris, Erasmus University Medical Center Rotterdam, Ospedale San Raffaele in Mailand, Karolinska University Hospital in Stockholm, King’s Health Partners in London, University Hospital Leuven, Medizinische Universität Wien und Vall d’Hebron in Barcelona.

Die drei großen Berliner Universitäten sowie die Charité haben außerdem mit der Oxford University eine weitreichende Kooperation geschlossen. Eine Partnerschaft unterhalten die Mitglieder der Berlin University Alliance auch mit der University of Melbourne, mit der sie ein Förderprogramm für gemeinsame Forschungsprojekte aufgelegt haben. 

Zentren der Forschung im Ausland 

Die Freie Universität Berlin ist an zwei Maria-Sibylla-Merian Forschungskollegs beteiligt. Mit den nach der Naturforscherin Merian (1647 – 1717) benannten Zentren will das Bundesforschungsministerium (BMBF) die Internationalisierung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften in Deutschland an Standorten außerhalb Deutschlands voranbringen. 2017 wurde das Maria Sibylla Merian Centre for Advanced Studies „Conviviality in Unequal Societies“ in São Paulo eröffnet, an dem neben der Freien Universität unter anderem das Ibero-Amerikanische-Institut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Universität von São Paulo sowie andere deutsche und lateinamerikanische Einrichtungen beteiligt sind.

Bereits seit 2010 unterhält die Technische Universität Berlin einen Satellitencampus im ägyptischen Al Gouna, der als Non-Profit Public-Privat-Partnership eingerichtet ist. Die dort angebotenen Studiengänge unterliegen sowohl inhaltlich als auch strukturell ausschließlich deutscher Hochschulgesetzgebung.

Die Charité ist beratender Partner beim Bau und Betrieb einer Mutter-Kind-Klinik in Shanghai und bildet seit vier Jahren junge Assistenzärztinnen und –ärzte aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in einem 6-jährigen Programm zu Fachärzten unterschiedlicher Disziplinen aus.

Veranstaltungskalender mit weltweiter Perspektive

Auch interessierte Berlinerinnen und Berliner sowie Gäste der Stadt können an der weltweiten Vernetzung der Berlin University Alliance im Rahmen von öffentlichen Vorträgen und Vortragsreihen teilhaben. 

Bereits 1965 wurde an der Technischen Universität Berlin die Queen’s Lecture eingerichtet – als Geschenk der Queen an die Stadt Berlin. Seitdem haben – mit einer Unterbrechung in den 1970er und 1980er Jahren – viele renommierte britische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Berlin gesprochen, und Queen Elisabeth II., die die Vorlesung einst bei ihrem ersten Berlin-Besuch eröffnet hatte, kam auch zum Jubiläum 2015 nach 50 Jahren wieder an die Universität zurück. 

Auch an der Freien Universität Berlin oder an der Humboldt-Universität zu Berlin gibt es regelmäßig zahlreiche Vorträge herausragender internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Disziplinen – von der Mathematik bis zur Philosophie – , die zum großen Teil öffentlich sind und so Studierende, Fachkolleginnen und -kollegen und Neugierige aus der Stadt gleichermaßen begeistern. 

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