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Romain Faure

Koordinator des Berlin Center for Global Engagement im Cross-Cutting Theme: Internationalisierung

22.07.2020

Romain Faure

Romain Faure
Bildquelle: Patricia Kalisch

Die Berlin University Alliance hat sich zum Ziel gesetzt, neue Maßnahmen im Bereich der Internationalisierung zu entwickeln und umzusetzen. Eines ihrer Vorhaben ist der Aufbau des Berlin Center for Global Engagement (BCGE). Diese Arbeitsstelle wird eine Plattform für bestehende und neue Projekte in den Bereichen der Forschungskooperation mit dem sogenannten Globalen Süden, der Wissenschaftsdiplomatie und der akademischen Freiheit. Koordinator des BCGE ist seit April Romain Faure. Die Entwicklung der Berlin University Alliance hat er bereits zuvor als Referent in den Stabsstellen Internationale Netzwerkuniversität (PINU) sowie FU-BUA der Freien Universität Berlin begleitet.

Herr Faure, was gehört zu Ihren Aufgaben als Koordinator des neu gegründeten BCGE?

Das Zentrum muss von Grund auf neu aufgebaut werden. Das ist eine unheimlich spannende Tätigkeit, weil noch alles zu planen und zu entwickeln ist. In dieser Aufbauphase wird meine Aufgabe sowie die meines Kollegen Florian Kohstall und meiner Kollegin Sarah Wessel sein, die Stimmen der verschiedenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Institutionen der Verbundeinrichtungen, die sich mit den Themen des BCGE befassen, zusammenzutragen. Die Summe der vielfältigen Expertisen und Interessen wird ein einzigartiges Profil für das BCGE ergeben.

In den letzten Wochen ist bereits unsere erste Ausschreibung gelaufen – und sie hat eine sehr schöne Resonanz gefunden. Mit der Ausschreibung wollten wir nicht zuletzt einen Überblick über die Forschung in unserem Bereich an den vier Verbundeinrichtungen erhalten sowie erste Projektideen anstoßen. Das große Interesse und die Vielfalt der eingereichten Projektanträge haben uns sehr gefreut. Insgesamt 45 Bewerbungen sind eingegangen. Jetzt sind wir dabei, die Begutachtung zu organisieren, um am Ende eine Auswahl von Projekten zu identifizieren, die eine Förderung zwischen 10.000 und 40.000 Euro erhalten.

Was ist das Ziel des BCGE?

Das Zentrum verfolgt ein dreifaches Ziel. Erstens will es die Wissenschaftskooperationen der Berlin University Alliance mit den Ländern des sogenannten Globalen Südens vertiefen. Dabei definieren wir den Globalen Süden nicht vorwiegend geografisch, sondern eher als einen Begriff, der bestehende Hierarchien in der Wissensproduktion in Frage stellt. Dafür werden wir thematische und regionale Schwerpunkte identifizieren, in denen die Einrichtungen der Berlin University Alliance sich gegenseitig ergänzen sowie wichtige Partnerschaften mit dem Globalen Süden aufbauen und weiterentwickeln können.

Zweitens will das BCGE die bundesweit einzigartige regionale und globale Expertise der Berliner Universitäten bündeln und als Plattform für die Vernetzung mit Politik und Gesellschaft fungieren. Daher wird das Zentrum Aktivitäten im Bereich der Wissenschaftsdiplomatie entwickeln. Drittens wollen wir auch aktuelle Herausforderungen der internationalen Wissenschaftskooperation in den Blick nehmen und Projekte etwa rund um das Thema der akademischen Freiheit fördern.

Mit unserem Programm wollen wir in Politik und Öffentlichkeit ein Bewusstsein dafür schaffen, dass globale Herausforderungen auch nur global gelöst werden können und daher Wissenschaftskooperation gerade in politisch und wirtschaftlich schwierigen Kontexten, wichtig ist.

Warum ist der Globale Süden ein wichtiges Thema?

Noch reduzieren wir zu oft die Weltkarte der Wissenschaft auf den „Globalen Norden“. Wissenschaft versteht sich als universelle Sprache und hat – übersetzt in partikulare Diskurse, Modelle, Technologien – Auswirkungen auf die ganze Welt. Die Produktion wissenschaftlicher Forschungsergebnisse muss daher stärker als es heute der Fall ist, auf einem Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Globalen Südens beruhen, die heute allein aufgrund ihres Wirkungsorts in der Forschungswelt marginalisiert werden. Neue Ideen und bahnbrechende Einsichten entstehen überall; nur sind sie nicht überall gleichmäßig hör- und sichtbar. Wirklich herausgefordert werden Wissenschaftsdiskurse, wenn sie breit – und nicht nur im Kreis der führenden Industrienationen – diskutiert werden.

Was ist für Sie das Besondere an der Berlin University Alliance?

Der Berliner Exzellenzverbund ist ein außerordentliches, kühnes, zukunftsweisendes Projekt. Es setzt auf Kooperation statt ausschließlich auf Wettbewerb und versucht, aus den komplementären Stärken der vier Partnerinnen neue Fragestellungen zu generieren und robuste, innovative, aktuelle Forschungsergebnisse zu fördern. Wettbewerb zwischen Nachbarinstitutionen kann produktiv sein, darf aber nicht zu Energieverschwendung und Nabelschau führen. Wettbewerb mit Zusammenarbeit auszutarieren, das kann die Berlin University Alliance schaffen. Persönlich freue ich mich ganz besonders auf Begegnungen mit inspirierenden Menschen und klugen Köpfen im Verbund und aus der ganzen Welt.

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