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Nina Fechler

Leiterin der Stabsstelle Berlin University Alliance der Charité – Universitätsmedizin Berlin

09.06.2021

Dr. Nina Fechler

Dr. Nina Fechler
Bildquelle: Privat

Die für die Berlin University Alliance (BUA) zuständigen Stabsstellen der Verbundpartnerinnen stellen gemeinsam mit der BUA-Geschäftsstelle die Ausgestaltung und Umsetzung der Verbundziele sicher. Sie agieren als Schnittstellen zwischen ihrem Haus und der BUA und fungieren als Ansprechpartnerinnen für die Mitglieder ihres Hauses.

Die Stabsstelle Berlin University Alliance der Charité – Universitätsmedizin Berlin leitet die promovierte Chemikerin Dr. Nina Fechler. Sie hat den Aufbau der BUA seit 2018 seitens der Charité mitbegleitet und die Stabsstelle in 2019 zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Sophia Baur aufgebaut. Zuvor hat sie als Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung zusammen mit ihrem Team an nachhaltigen Energiespeichermaterialien geforscht.

Frau Fechler, als Leiterin der Stabsstelle befinden Sie sich an der Schnittstelle zwischen Charité und den anderen Verbundpartnerinnen. Wie kann man sich diese Schnittstellenfunktion vorstellen?

Als 2016 die ersten Schritte zu einem Berliner Verbund gestartet sind, haben wir uns natürlich dieselbe Frage gestellt. Einerseits ist es so, dass die Verbundpartnerinnen eigenständig bleiben und ihr eigenes Profil weiterentwickeln, andererseits werden die Verbundmaßnahmen gemeinsam umgesetzt. Sehr schnell war klar: Es muss konkrete Schnittstellen in die Häuser geben. Wir als BUA-Stabsstelle der Charité sind eine Art Hub: Wir sind dafür zuständig, dass die gemeinsamen BUA-Aktivitäten effektiv in der Charité ankommen. So bauen wir zum Beispiel interne Netzwerke auf oder stellen die Einbindung geeigneter Umsetzungspartnerinnen und –partner für gemeinsame Verbundaktivitäten sicher.

Wie wirken Sie in Ihrem Haus nach innen?

Intern arbeiten wir aktuell etwa mit hundert Kolleginnen und Kollegen zusammen, die in der ein oder anderen Weise kontinuierlich mit der BUA zu tun haben. Dies betrifft insbesondere die Planung und Verankerung von BUA-Maßnahmen in der Charité, wobei sich die Themen über alle acht Handlungsfelder der BUA spannen. So befassen wir uns zum Beispiel mit der Weiterentwicklung von Forschungsschwerpunkten, wobei der Prozess in der Fakultät und dem Geschäftsbereich Strategische Entwicklung angesiedelt ist. Weitere Beispiele sind der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft unter Beteiligung der Unternehmenskommunikation, die Weiterentwicklung der Talentförderung zusammen mit der BIH Biomedical Innovation Academy oder die Einbindung internationaler Partnerschaften mit Universitäten wie der University of Oxford zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der internationalen Abteilungen. Gleichzeitig tragen wir das, was die Charité zu bieten hat, in den Verbund – dies betrifft zum Beispiel umfangreiche Expertise in den Lebenswissenschaften und der Translation, Erfahrungen des BIH QUEST Centers zur Erhöhung der Werthaltigkeit und des Nutzens der biomedizinischen Forschung oder Expertise in Nutzungskonzepten von wissenschaftlichen Infrastrukturen, sogenannten Core Facilities. Dafür arbeiten wir neben den Abteilungen eng mit unserem Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, unserem Dekan Prof. Dr. Axel R. Pries sowie zahlreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Charité zusammen. Außerdem sind wir mit der BUA-Geschäftsstelle, den zentralen Teams der Administrative Units und den Stabsstellen der anderen Partnerinnen kontinuierlich in Kontakt.

Wie bekommen Sie das alles gesteuert angesichts der Größe der Charité?

In unserer Funktion als Stabsstelle müssen wir stets die Waage halten: Einerseits wird der Verbund als Ganzes entwickelt, gestärkt und sichtbar gemacht, gleichzeitig tragen die BUA-Handlungsfelder zum Profil der eigenen Einrichtung bei. Als Charité haben wir seit Kurzem eine neue institutionelle Strategie: Rethinking Health – Charité 2030. So können wir über die Zusammenarbeit in der BUA nun sehr gezielt dabei unterstützen, die Charité-Ziele zu erreichen und umgekehrt durch die Schwerpunktsetzung der Charité zum Erfolg der BUA beitragen. Der Verbund erlaubt es, über die Kernkompetenzen der Charité hinauszugehen und durch das Zusammenspiel mit der (Disziplinen-)Vielfalt der Universitäten große gesellschaftliche Herausforderungen zusammen sehr umfangreich zu adressieren.

Was sind konkrete Aufgaben, die Sie im Alltag bearbeiten?

Die Stabsstellen begleiten vielzählige Prozesse, die auf dem Weg einer Idee für eine gemeinsame BUA-Maßnahme bis zur Umsetzung (in der jeweiligen Einrichtung) benötigt werden. Während innerhalb der ersten Förderlinie der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern, den Exzellenzclustern, der Fokus auf der projektbezogenen Förderung international wettbewerbsfähiger Forschungsfelder an Universitäten beziehungsweise Universitätsverbünden liegt, werden in der zweiten Förderlinie Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Universitätsverbünde als strategische Unterstützung herausragender Universitätsstandorte gefördert. Zudem ergeben sich noch einmal spezifische Aufgaben für einen Verbund. Hierbei sind sehr viele Kolleginnen und Kollegen der Verbundpartnerinnen beteiligt, die verschiedene Schritte in der Zusammenarbeit verantworten.

Haben Sie ein Beispiel?

Einer der Aufgabenbereiche der Stabsstellen umfasst die Vorbereitung und Begleitung der diversen Entscheidungs- und Umsetzungswege in der BUA. Dafür bringen wir sämtliche relevante Stakeholder zusammen: seitens Charité sind neben den BUA-Akteurinnen und -Akteuren in der Regel der Charité-Vorstand, die Fakultät, die Charité-Mitglieder der Steering Committees sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die entsprechenden Abteilungen involviert. Dabei besprechen wir einerseits die konzeptionellen Ideen und bringen die Perspektiven der Charité ein. Andererseits arbeiten wir als Stabsstelle der Charité zusammen mit den relevanten Personen und Bereichen an der Machbarkeit in der Umsetzungsphase; das kann inhaltliche, finanzielle, rechtliche oder Governance bezogene Aspekte umfassen – denn ein wesentlicher Aspekt ist die nachhaltige Verankerung der Maßnahmen in den Institutionen.

Wenn man die Finanzstrukturen betrachtet, wird deutlich, dass auch immer mitgedacht werden sollte, wie die BUA-Maßnahmen mittel- und langfristig integriert und weiter ausgebaut werden können. Das ist auch eine Art Change Management: Als Charité sind wir zum ersten Mal bei der Exzellenzstrategie dabei – wir mussten und müssen immer wieder lernen, welche Strukturen oder Kommunikationswege sinnvoll sind. In diesem Zusammenhang stehen wir der Charité auch als Kontaktpunkt für Beratung und Information bezüglich der BUA zur Verfügung.

Gibt es Unterschiede in der Organisationsstruktur zwischen den Universitäten und der Charité, die Sie vor Herausforderungen stellen?

Die Charité ist die gemeinsame medizinische Fakultät der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin. Gleichzeitig ist die Charité einer der größten Arbeitgeber Berlins und ein Unternehmen, das teilweise etwas anders funktioniert als eine Universität. Eine weitere Besonderheit ist das Integrationsmodell, bei dem Klinikum und Fakultät in einer Rechtspersönlichkeit vereint sind und Entscheidungen, die Forschung und Lehre oder die Krankenversorgung betreffen, vom Vorstand getroffen werden. Somit kommen dort sehr unterschiedliche Themen der verschiedenen Kliniken, Institute, Zentren oder Geschäftsbereiche zusammen. Daher müssen wir uns manchmal fragen: Was wäre an der Charité das Äquivalent zu einer Struktur, Funktion etc., die es an den Universitäten gibt?

Was sind Dinge die gut laufen? Was könnte man noch verbessern?

In den letzten Jahren hat sich durch den gemeinsamen Aufbau und nun die Umsetzung der BUA eine starke Gemeinschaft entwickelt. Natürlich gab es schon vor der BUA sehr viele und sehr erfolgreiche gemeinsame Projekte zwischen den Universitäten und der Charité. Im Verbund wird die Zusammenarbeit in bestimmten Themenfeldern und auf institutioneller Ebene aber noch einmal wesentlich intensiviert. Dabei lernt man jeden Tag, wie die einzelnen Institutionen funktionieren, wer in welchen Themenfeldern involviert ist und wie man gemeinsame Maßnahmen effektiv planen und umsetzen kann. Dieses Zusammenspiel zwischen den vier Verbundpartnerinnen funktioniert nun sehr gut. Vor der Corona-Zeit waren wir in ganz Berlin unterwegs, Berlin ist unser Büro – weniger die eigene Einrichtung. In jedem Fall wird es auf allen Ebenen eine grundlegende Daueraufgabe sein, die vielfältigen BUA-Aktivitäten und Gestaltungsmöglichkeiten in den Institutionen der Verbundpartnerinnen zu kommunizieren. Darüber hinaus ist es unser Anspruch, den Wissenschaftsstandort Berlin weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit mit regionalen und internationalen Partnern weiter auszubauen.

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